 sagen durfte: siehe, dieser ist Geist von deinem Geist, und Liebe
von deiner Liebe! Und wenn ich jetzt, in diesem Augenblick stürbe - ist es denn
nicht genug, für diesen einen einzigen Moment gelebt zu haben? Wenn die höchsten
Geister in des Unnennbaren Nähe ein entzücktes Sein genießen, wenn sie, ihm
ähnlich, im ganzen All nur eins in der Unendlichkeit der Schöpfung sich und
seine Liebe erblicken - so rufe ich: wohl mir! dass ich in seinem Erscheinen den
Reichtum seines Herzens und die unendliche Fülle des meinigen zugleich
erblickte.« -
»O du arme, arme Welt! - Mich lästern wirst du einst vielleicht, mich den
Niedrigsten zugesellen, wenn du von mir und meinem Wandel die elenden,
abgerissenen Silben erfährst. Kannst du mich stören und die selige Harmonie, die
mit ihren süßen Kreisen klingend durch mein Wesen schwingt? Ihm nur bin ich ihm
nur denk ich, ihm nur sterb ich. Eilt er mir voran, so flieg ich ihm durch alle
Welten, durch Sein und Ahnung nach und durch den leeren Raum. Wohl ist im Tode
erst Einigung und Leben. Uns trennt die nahe Gegenwart, wenn meine Hand die
seine rührt, so ruft das Ewige im Drucke: flieht! dorthin! wo keine Zeit und
Stunde herrscht, wo man nur nach Entzückungen die Ewigkeit rechnet, wo kein
Ermüden ist, kein Vergessen, kein Zweifel und keine Frage. Aug in Auge, Geist in
Geist, du ich und ich du, mehr als Gedanke und Gefühl - o armer Mensch, kehre
doch zu dir und dieser Erde zurück, auch hier siehst du im Bilde, was du suchst;
auch das einfache Wort ist ein ewiges: jeder Augenblick der Liebe ist ja ein
unerschöpfliches Meer - ach! mein Geliebter! ohnmächtig nach allem Aufschwung
sinke ich beglückt in deine Arme - und alles ist lebendig in mir, was ich vor
Tausenden von Jahren schon suchte, da ich mich unbefriedigt in allen Windungen
nach dir sehnte.«
    Sie saß nahe an der Mauer, die das Haus von der Straße trennte, denn die
Wohnung stand frei und abgesondert. Indem sie schrieb, war es ihr schon oft
gewesen, als wenn sie ein sonderbares Geräusch vernähme. Es war, als wenn ein
Tier oder ein Mensch sich draußen auf der Straße an der Mauer etwas zu tun
machte. Gleich, wenn sie hinhorchte, war es wieder still, dann ließ es sich
wieder vernehmen. Vittoria, die nicht ängstlich war, wollte das Fenster öffnen,
um hinauszusehn, was so in ihrer Nähe sich verdächtig bewege; aber das Fenster
war, der Sicherheit wegen, von den Dienern zu fest verschlossen, sie konnte es
ohne Hilfe nicht auftun. Jetzt,
