 schreib's dahin, dass mir's so wohl ist heut, weil die Sonn mir aufs
Papier scheint und meine Gedanken beleuchtet, da lese ich so deutlich in meinem
Herzen. -
    Der Gärtner ist so gut, er suchte mir aus allen Büschen die schönsten Blumen
heraus, der Strauss ragte mir über den Kopf mit schönem Bandgras, auch frisches
Laub dabei, und vom Lerchenbaum und von der Scharlacheiche. Dieser Baum ist, was
man schön gewachsen nennt, er streckt sein scharlachrot Laub in die blaue Luft
hinaus zum Tanzen, der leiseste Wind bewegt ihn. - Im Heimgehn hatt ich
Gedanken, die mich ergötzten, an denen mir gelegen ist, dass sie wahr sein
möchten, sie waren nicht in mich gepflanzt, sie wuchsen von selbst auf wie jene
Blumen auf der Heide. - Morgenstund hat Gold im Mund - wär ich nicht früh draus
gewesen, so hätt ich sie nicht denken können. - Natur ist lehrsam, wer ihre
Lehrstund nicht versäumt, der hat zu denken genug, er kriegt die trocknen
Lebenswege gar nicht unter die Füße, auf denen andern die Sohlen brennen. Was
hast Du zu sorgen um meine Nachtwachen? - So viel Blumen, die nur des Nachts
duften! - Müssen denn alle Menschen in der Nacht schlafen? - können sie nicht
auch wie der Nachtschatten und Viola matronalis am Tag schlafen und nachts ihren
Duft aushauchen? - Warum sind manche Menschen so unaufgeweckt und können nicht
zu sich selbst kommen am Tag, als weil es Nachtblüten sind, aber die leidige
Tagsordnung hat sie aus den Angeln gerückt, dass sie kein Gefühl haben von ihrem
Naturwillen. - Drum verlieben sie sich auch verkehrt, weil ihre Sinne ganz
verwirrt sind. - Manche Leut sind nur gescheut zwischen Licht und Dunkel, am
Abend verstehen sie alles, morgens haben sie lebhafte Träume, am Tag sind sie
wie die Schaf, so geht mir's, mein Wachen ist früh, ich muss dem Sonnengott
zuvorkommen, wie jener Tempelknabe seinen Tempel reinigen - dann kehrt er ein
bei mir und lehrt mir Orakelsprüche - alles passt, - fügt sich, wollt ich sagen -
auch dass ich immer so unaufgeweckt bin, wenn der Geschichtslehrer kommt in der
Mittagsstund, das ist grad meine verschlafenste Zeit. - Du bist auch keine
Tagsnatur, Dein Wachen deucht mir anzufangen, wenn der Taggott sich neigt und
nicht mehr so hoch am Himmel steht - Dir neigt er sich herab, und wandelst
anmutig mit ihm die Bahn vom späten Nachmittag zum späten Untergang, und winkt
Euch noch mit Eurer Gewande Saum fern hin, dann leuchtet der Abendstern zu
Deinen Nachgedanken von ihm, und wogst einsam in der Erinnerung wie die
Meereswelle am Fels wogt zur Zeit der Flut und ihn abspült
