 möcht ein Knab sein,
Wasser holen in der Morgenfrische, wenn alles noch schläft, den Marmor polieren
von den Säulen, meine Götterbilder still bedeutsam waschen und alles reinigen
vom Staub, dass es leuchte im Dämmerlicht; dann, nach der Arbeit die heiße Stirn
auf die kühlen Stufen legen und ruhen, in heimlichem Genügen; ruhen die Brust,
die schwillt von Tränen, dass es so schön ist in der dämmrigen Stille im Tempel;
so scheint mir auch die heutige Arbeit ein Tempeldienst der Natur; dann ihre
Blumen in Kreisen schön verschlingen, ist das nicht ihr gedient? - Die Blumen,
die ihren Duft unter einander schwenken in so dichter Fülle, ist denen nicht ein
schönerer Frühling bereitet? - denn was uns schöner ist in der Natur, ist das
nicht auch ihr selber schöner? - Und ihre Bäume vom Moos reinigen, in
nachbarliche Reihen pflanzen, ihre Blumenkelche füllen, ist das nicht ihrem
Willen sich hingeben? - Lässt sie die Sorge nicht gedeihen, und gibt der Früchte
vom gepfropften Reis mehr und schöner und süßer dafür? - Tempel und Natur,
friedliche Nachbarn, Freunde! wie ich und Du, teilen ihre Gaben wie ich und Du.
- Vom Frühling bis zum Winter - (da hast Du mein Gelübde) teil ich mit Dir, wie
mit dem Tempel der Naturgarten, der ihn umzieht - im Frühling hast Du meine
Keime, die alle dicht um Dich her aufwachen. Im Sommer wilder Vögelgesang, der
anschlägt in einsamer Nacht an Deinen verschlossnen Pforten, und dann in der
Ferne auch, wenn die Pilger heimziehen, die am Tag Deinen Göttern huldigten, da
glühen die Blumen, am Weg von mir zu Dir. - Im Herbst da roll ich meine Früchte
zu Dir hin, leg sie auf Deinen Altar, und den Honig meiner Bienen, die Dich
umsummen, bewahr ich in Deinen Opferschalen. Dann rausch ich die falben Blätter
herab auf Deine Stufen, die umtanzen Dich im Winterwind, begraben sich unterm
Schnee, den meine belasteten Äste auf Dich niederstürzen, dann braust es draußen
und stürmt, aber meine Seele wohnt in Dir und pflegt Dich, gibt der Lampe reines
Öl zu, die Deine stille Halle erleuchtet, und die Sterne vom hohen Firmament
herab leuchten über Deiner Zinne. Still ist's dann und verlassen von allen
Menschen sind wir, die gebahnten Wege verschneit, allein in Dir zu wohnen, wenn
wir des Lebens Grenzen mit einander ermessen haben. -
    Wie die Natur eingeht zum Tempel im Winter und ruht da im Gottfühlen aus,
das nennen die Menschen Winterschlaf, dann kehrt sie wieder mit neuer Blütekraft
und taut und duftet den eingesognen Himmelsatem, und ewig ist der Tempel Gottes
angehaucht von der Liebe der Natur.
    Ich
