? - Ich weiß es nicht, soll ich Dich mahnen,
soll ich Dich stillschweigend gewähren lassen? - Und vertrauen auf den, der
Dir's ins Gesicht geschrieben hat? Ich weiß es wieder nicht. - Ich möchte wohl,
aber dann wird mir zuweilen so bange, wenn ich, wie in Deinem letzten Brief, das
Vermögen in Dir gewahr werde, wie das lässig in sich verschränkt keinen Mucks
tut, als ob der Schlaf es in Banden halte, und wenn's sich regt, dann ist's wie
im Traum, nur Du selber schläfst um so fester, nach solchen Explosionen! - Ob
ich recht tue, Dir so was zu sagen? - Das quält mich auch, man soll den nicht
wecken, der während dem Gewitter schläft! - Du kommst mir nun immer vor, als
entlüden sich elektrische Wolken über Deinem verschlafenen Haupt in die träge
Luft, der Blitz fährt Dir in die gesunkne Wimper, erhellt Deinen eignen Traum,
durchkreuzt ihn mit Begeisterung, die Du laut aussprichst, ohne zu wissen, was
Du sagt, und schläfst weiter. - Ja, so ist's. Denn Deine Neugierde müsste aufs
höchste gespannt sein auf alles, was Dir Dein Genius sagt, trotzdem, dass Du ihn
oft nicht zu verstehen wagst. Denn Du bist feige - seine Eingebungen fordern
Dich auf zum Denken; das willst Du nicht, Du willst nicht geweckt sein, Du
willst schlafen. Es wird sich rächen an Dir - magst Du den Liebenden so
abweisen? - der sich Dir feurig nähert? - Ist das nicht Sünde? - Ich meine nicht
mich, nicht den Klemens, der mit Besorgnis Deinen Bewegungen lauscht, ich meine
Dich selbst - Deinen eignen Geist, der so treu über Dir wacht, und den Du so
bockig zurückstösst. - Je näher die Berge, je größer ihr Schatten, vielleicht,
dass Dich die Gegenwart nicht befriedigt, was uns näher liegt, wirft Schatten in
unsre Anschauung, und daher ist gut, dass der Vergangenheit Licht die dunkle
Gegenwart beleuchte. Darum schien mir die Geschichte wesentlich, um das träge
Pflanzenleben Deiner Gedanken aufzufrischen, in ihr liegt die starke Gewalt
aller Bildung - die Vergangenheit treibt vorwärts, alle Keime der Entwicklung in
uns sind von ihrer Hand gesäet. Sie ist die eine der beiden Welten der Ewigkeit,
die in dem Menschengeist wogt, die andre ist die Zukunft, daher kommt jede
Gedankenwelle, und dorthin eilt sie! Wär der Gedanke bloß der Moment, in uns
geboren? - Dies ist nicht. Dein Genius ist von Ewigkeit zwar, doch schreitet er
zu Dir heran durch die Vergangenheit, die eilt in die Zukunft hinüber, sie zu
befruchten; das ist Gegenwart,
