. - - Dein ganz Sein mit andern ist träumerisch, ich weiß
auch, warum; wach könntest Du nicht unter ihnen sein und dabei so nachgebend,
nein, sie hätten Dich gewiss verschüchtert, wenn Du ganz wach wärst, dann würden
Dich die grässlichen Gesichter, die sie schneiden, in die Flucht jagen. - Ich hab
einmal im Traum das selbst gesehen, ich war erst zwei Jahr alt, aber der Traum
fällt mir noch oft plötzlich ein, dass ich denke, die Menschen sind lauter
schreckliche Larven, von denen ich umgeben bin, und die wollen mir die Sinne
nehmen, und wie ich auch damals im Traum die Augen zumachte, um's nicht zu sehen
und vor Angst zu vergehen, so machst Du auch im Leben aus Großmut die Augen zu,
magst nicht sehen, wie's bestellt ist um die Menschen, Du willst keinen Abscheu
in Dir aufkommen lassen gegen sie, die nicht Deine Brüder sind; denn Absurdes
ist nicht Schwester und nicht Bruder; aber Du willst doch ihr Geschwister sein,
und so stehst Du unter ihnen mit träumendem Haupt und lächelst im Schlaf, denn
Du träumst Dir alles bloß als dahinschweifenden grotesken Maskentanz. - Das lese
ich heute wieder in Deinem Brief, denn es ist jetzt so still hier, und da kann
man denken - Du bist zu gut, für mich auch, weil Du unter allen Menschen gegen
mich bist, als wärst Du mehr wach; als machtest Du die Augen auf und trautest
wirklich mich anzusehen, o, ich hab auch schon oft dran gedacht, wie ich Deinen
Blick nie verscheuchen wollte, dass Du nicht auch am Ende nachsichtig die Augen
zumachst und mich nur anblinzelst, damit Du alles Böse und Schlechte in mir
nicht gewahr werdest.
    Du sagst: »Wir wollen unbedeutend zusammen sein!« - Weißt Du, wie ich mir
das ausleg? - Wie das, was Du dem Klemens letzt in einem Brief schriebst: »Immer
neu und lebendig ist die Sehnsucht in mir, mein Leben in einer bleibenden Form
auszusprechen, in einer Gestalt, die würdig sei, zu den Vortrefflichsten
hinzuzutreten, sie zu grüßen und Gemeinschaft mit ihnen zu haben. Ja, nach
dieser Gemeinschaft hat mir stets gelüstet, dies ist die Kirche, nach der mein
Geist stets wallfahrtet auf Erden.« - Du sagst aber jetzt, wir wollen
unbedeutend zusammen sein, - weil Du lieber unberührt sein willst, weil Du keine
Gemeinschaft findest; - und Du glaubst wohl jetzt noch, dass irgendwo eine Höhe
wär, wo die Luft so rein weht und ein ersehnt Gewitter auf die Seele
niederregnet, wovon man freier und stärker wird? - Aber gewiss ist's nicht in der
Philosophie; es ist
