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               Fels, im Hintergrund der Styx und Charons Nachen.
                                  Die Vorigen
HEKATE. Sieh, Erodion, diesen einsturzdrohenden Fels, er ist die
unübersteigliche Scheidewand, der des sterblichen Lebens Reich von dem deiner
Gebieterin scheidet, er verwehrt der Sonne, ihre Strahlen her zu senden, und
getrennten Lieben, sich wieder zu begegnen. Erodion! versuch es, diesen Felsen
einzustürzen, dass deine Geliebte auf seinen Trümmern aus der engen Unterwelt
steigen möge, dass ferner nichts Unübersteigliches das Land der Toten von dem der
Lebenden mag trennen.
     Erodion schlägt an den Felsen, er stürzt ein, es wird plötzlich helle.
IMMORTALITA. Triumph! Der Fels ist gesunken, von nun an sei den Gedanken der
Liebe, den Träumen der Sehnsucht, der Begeisterung der Dichter vergönnt, aus dem
Lebenslande in das Schattenreich herabzusteigen und wieder zurückzugehen auch.
HEKATE. Heil! Dreifaches, unsterbliches Leben wird dies blasse Schattenreich
beseelen, nun dein Reich gegründet ist.
IMMORTALITA. Komm, Erodion, steige mit mir auf in ewige Klarheit; und alle
Liebe, alles Hohe soll meines Reiches teilhaftig werden. Du, Charon, entfalte
deine Stirn, sei freundlicher Geleiter denen, die mein Reich betreten wollen.
ERODION. Wohl mir, dass ich die heilige Ahnung meines Herzens wie der Vesta Feuer
treu bewahrte; wohl mir, dass ich, der Sterblichkeit zu sterben, der
Unsterblichkeit zu leben, das Sichtbare dem Unsichtbaren zu opfern Mut hatte.
     Von der Hand des Herzogs Emil August von Gota auf das Manuskript der
                            Immortalita geschrieben.
Es ist eine Kleinigkeit, die deiner Aufmerksamkeit nicht wert ist, dass ich es
ein Geschenk des Himmels achte, dich zu verstehen, du edles Leben. Siehst du zur
Erde nieder, gibst gleich der Sonne du ihr einen schönen Tag, doch auf zum
Himmel wirst du vergeblich schauen, suchst deinesgleichen du unter den Sternen.
    Wie frische Blütenstengel so schmückt deiner Gedanken sorglos Leben den
bezwungenen Mann; sein Busen bebt von tiefen Atemzügen, wenn dein Geist gleich
aufgelösten Locken, die jetzt dem Band entfallen, ihn umspielt.
    Er sieht dich an, ein Liebender! Wie stille Rosen und schwankende Lilien
schweben deiner segnenden Gedanken Blicke ihm zu. Vertraute, nahe dem Herzen
sind sie. Wahrhaftiger, heller und schöner beleuchten sein Ziel sie ihm und
seinen Beruf, und auf schweigendem Pfade der Nacht sind hochschauende Sterne
Zeugen seiner Gelübde dir.
    Doch ist eine Kleinigkeit nur, die deiner Aufmerksamkeit nicht wert ist, dass
ich als ein Geschenk des Himmels es achte, dich zu verstehen, du edles Leben.
                                                                     Emil August
 
                                 An die Bettine
Dein Brief, liebe Bettine, ist wie der Eingang zu einem lieblichen Roman, ich
habe ihn genippt wie den Becher des Lyäus, der ein
