 in meiner Eltern Umarmungen sich vereint hatte als alle andre
Liebe - denn sie waren die Liebe selbst - so die Sehnsucht auch, die zu dir mich
trieb, war die mächtigste, und über alle Hindernisse siegreich war mein Glaube,
dich zu finden; denn meine Eltern wussten, dass, der aus Lieb und Schönheit
entsprungen, nichts Höheres auf Erden finde als sich selbst, und hatten diesen
Glauben zu dir mir gegeben, dass meine Kraft nicht sollt ermüden, nach Höherem zu
streben außer mir.
IMMORTALITA. Aber wie kamst du endlich zu mir? Unwillig nimmt Charon Lebende in
das morsche Fahrzeug, für Schatten nur erbaut.
ERODION. Einst war mein Sehnen dich zu schauen so groß, dass alles, was die
Menschen erdacht, dich ungewiss zu machen, mir klein erschien und nichtig. Mut
begeisterte mein ganzes Wesen: ich will nichts, nichts als sie besitzen, so
dacht ich, und kühn warf ich dieser Erde Güter alle weg von mir und führte mein
Fahrzeug hin zu dem gefahrvollen Fels, wo alles Irdische scheitern sollte. Noch
einmal dacht ich: wenn du alles verlörst, um nichts zu finden? - aber hohe
Zuversicht verdrängte den Zweifel, fröhlich sagt ich der Oberwelt das letzte
Lebewohl, die Nacht verschlang mich - eine grässliche Pause! - ich fand mich bei
dir. - Die Fackel meines Lebens flammt noch jenseits der stygischen Wasser.
IMMORTALITA. Die Heroen der Vorwelt haben diesen Pfad schon betreten, der Mut
hat herüber zu streifen gewagt, aber der Liebe nur war vorbehalten, ein dauernd
Reich hier zu gründen. Die Bewohner des Orkus sagen, mein Dasein hauche ihnen
unsterbliches Leben ein; so sei denn auch du unsterblich; denn du hast
Unnennbares in mir bewirkt, ich lebte ein Mumienleben, aber du hast mir eine
Seele eingehaucht. Ja, teurer Jüngling! In deiner Liebe erblicke ich mich
verklärt; ich weiß nun, wer ich bin, dass ein sonniger Tag diese alten Hallen
beglänzen wird.
                     Hekate tritt hinter dem Altar hervor.
HEKATE. Erodion, trete in den Kreis der Schlange. Er tut es: die Schlange
verschwindet. Zu lange, Immortalita, warst du, durch die Macht des Unglaubens
und der Barbarei, von wenigen gekannt, von vielen bezweifelt, in diesen engen
Kreis gebannt. Ein Orakel, so alt als die Welt, sagt, der gläubigen Liebe werde
gelingen, dich selbst in dem erebisschen Dunkel zu finden, dich hervorzuziehen
und deinen Thron in ewiger Klarheit zu gründen, zugänglich für alle. Die Zeit
ist nun gekommen, dir, Erodion, bleibt nur noch etwas zu tun übrig.
 Der Schauplatz verwandelt sich in einen Teil der elysäischen Gärten, die Szene
  ist matt erleuchtet, man sieht Schatten hin und wieder
