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CHARON. Ich hasse die Rede.
IMMORTALITA. Rede! Rede!
CHARON. Frage Hekate
                                Er fährt hinweg.
IMMORTALITA streut Weihrauch auf den Altar. Hekate! Der Mitternacht Göttin! Der
Zukunft Entüllerin, die schläft in des Nichtseins dunklem Schoss! Geheimnisvolle
Hekate! Hekate! erscheine.
HEKATE. Mächtige Beschwörerin! Was rufst du mich aus den Höhlen ewiger
Mitternacht; dies Ufer ist mir verhasst, sein Dunkel zu helle, ja mir deucht, ein
niederer Schein aus des Lebens Lande habe hierher sich verirrt.
IMMORTALITA. O vergib Hekate! und erhöre meine Bitte.
HEKATE. Bitte nicht, du bist hier Königin, du herrschest hier und weißt es
nicht.
IMMORTALITA. Ich weiß es nicht! Warum kenn ich mich nicht?
HEKATE. Weil du nicht dich selber sehen kannst.
IMMORTALITA. Wer wird mir einen Spiegel zeigen, dass ich mich schaue? -
HEKATE. Die Liebe.
IMMORTALITA. Warum die Liebe?
HEKATE. Weil ihre Unendlichkeit nur ein Maß für deine ist.
IMMORTALITA. Wie weit erstreckt sich mein Reich?
HEKATE. Über jenseit einst, über alles.
IMMORTALITA. Wie? - die undurchdringliche Scheidewand, die mein Reich scheidet
von der Oberwelt, wird sie einst zerfallen?
HEKATE. Sie wird zerfallen! Du wirst wohnen im Licht! - alle werden dich finden.
IMMORTALITA. O wann wird dies sein? -
HEKATE. Wenn gläubige Liebe dich der Nacht entführt.
IMMORTALITA. Wann? - in Stunden? - in Jahren?
HEKATE. Zähle nicht die Stunden, bei Dir ist keine Zeit. Siehe zur Erde! - die
Schlange, die ängstlich sich windet - fester beißt sie sich ein, vergeblich
möcht in ihrem engen Kreis sie dich gefangen halten, vergeblich ist ihr
Widerstand - des Unglaubens Herrschaft, der Barbarei und der Nacht sinkt dahin.
                               Sie verschwindet.
IMMORTALITA. O Zukunft, wirst du ihr gleichen? - jener seligen fernen
Vergangenheit, wo ich mit Göttern in ewiger Klarheit wohnte. Ich lächelte sie
alle an, und ihre Stirnen verklärte mein Lächeln, wie kein Nektar sie verklären
konnte, und Hebe dankte ihre Jugend mir, und immer blühender Aphrodite ihre
Reize. Aber durch der Zeiten Finsternis getrennt von mir, noch ehe mein Hauch
ihnen Dauer verliehen, stürzten von ihren Tronen die seligen Götter und gingen
zurück in die Lebenselemente; Jupiter in des Urhimmels Kräfte, Eros in die
Herzen der Menschen, Minerva in die Sinne der Weisen, die Musen in der Dichter
Gesänge; und ich Unseligste von allen wand nicht des unverwelklichen Lorbeers um
die Stirne dem Helden, dem Dichter. Verbannt in dies Reich der Nacht, der
Schatten Land, dies düstere Jenseit, muss ich der Zukunft nun entgegenleben.
CHARON fährt mit Schatten
