: in Gott leben. -
    So hab ich heute gedacht auf der Warte, weil mich Dein Brief ergriffen hat;
ein Zorn ist in mir aufgelodert, der mir diese Gedanken zurief, es ist ein
Fordern an Dich, Du sollst Dir und mir treu sein, da ein Geist sich mit uns
beiden eingeschifft hat, so verlass seine Flagge nicht, der Eid, den Du
geschworen, heißt: freudiger Mut, da Geist in ihm nimmer verloren gehen kann und
außer ihm aber erstirbt. - Nun versteh mich da heraus. - Der Traum leuchtet zu
stark in mich hinein, als dass ich nicht etwas verwirrt sollte reden müssen. -
Ich kehre zurück in tieferen Schlaf; - wo ich's nicht mehr fasse wie eben, was
in mir webt und will. - Wie wär das Wunderbare möglich? - Ja wohl! Wie wär der
Geist möglich in der Menschenbrust, ohne alle Sterne? - Sie alle leiten ihr
Licht in ihn, sie alle sind seine Erzeuger, sie alle richten sich nach ihm, der
in der Brust wie in der Wiege liegt, und sind Hüter seines Schlafs; so er
erwacht, so nährt er sich von ihrem Geist, schlafend saugt er ihr Licht. Und
siehst Du, ich spanne die Segel auf und fahr vorwärts und sprenge die Ketten,
die den Hafen sperren, denn mein Wille ist, dem Gott auf offenem Meere zu
begegnen, und dieser Wille ist rein und frei von Sünde, so ist er die Wahrheit
und kann nicht trügen und wird Gott finden. - Mein Geist wacht noch nicht, er
schläft aber doch unter ganz leiser Schlummerdecke, wie ein Kind mit süßem
Bewusstsein schläft in der Sonne und fühlt ihren Schein.
                                                                      Donnerstag
Ich muss Dir alles sagen; alles was mit luftiger Eile sich mir durch den Kopf
schwingt. - Ist mir's doch, als fahren wir auf Wolken dahin, und meine Worte
verhallen in der Weite, aber ich muss Dir rufen - wie ich Dich dahinschwimmen seh
am Himmelsozean, als hätten Dich die Winde aufgerafft - und mich auch, und als
flög Dein Wolkenpferd weit vor mir; - meine Stimme flattert an Dich heran: Du
hörst doch? - So hell der Mond auch scheint im unendlichen Blau der Nacht, das
Dich dahinnimmt? - Es gibt nichts wie die Liebe! - Doch weißt Du wohl! -
Menschen unterscheiden zwischen Lieb und Freundschaft und zwischen besonderer
Treue für diesen oder jenen, aber nicht ich und Du? - Was spricht mich an? - Das
sag mir doch? - Vielleicht der Dämon - der findet mich hier auf der einsamen
Warte und spricht mit mir von Dir - und lehrt mich beten für Dich. Dich denken,
wie Dein Geist
