
Menschen Arm ist so zärtlich umfassend als der Sterne Geist, er umfasst mich und
Dich, denn wenn ich mich sammle innerlich, so hab ich Dich im Sinn. Was ich mit
ihnen spreche, das hör ich nicht, ich les es auch nicht, es ist ihr Geflimmer,
das wirkt mir's ein, und mit meinem Zutrauen versteh ich's; - und wer könnt mir
meinen Glauben nehmen? - Und wenn einer balsamtrunken ist und fühlt's in den
Adern, wie könnt der zweifeln? - Es ist auch nicht, dass sie mir treffende
Wahrheiten mitteilen, oder dass ich was vernehm im Geist, was mir wie Weisheit
dünkt. - Sie nicken nur meinen geheimen Wünschen Gewährung, - Du weißt wohl, was
das ist. - Innerlich siegend wegfliegen über alles; äußerlich nicht erkannt,
nicht verstanden; ja lieber verachtet als nur ahnen lassen, wie es ist. Diese
göttliche Dreieinigkeit zwischen mir und Dir und den Sternen. - Wenn ich für
Dich mit ihnen was vorhab - ich streck die Hände aus zu ihnen, sie wissen's. -
    Dein Brief hat heute einen Geisterring um mich gezogen, Du hast mich in
einen tieferen Kreis eingelassen, das macht mich wehmütig und doch macht es mich
eifersüchtig auch, ich empfind, dass Du mich hinter Dir lässt, wenn Du mit Deinen
großen weiten Flügeln Dich aufschwingen wolltest. -
    Du hast recht in allem, was Du sagst. Das heißt, ich versteh Dich, - aber es
drängt sich mir ein Gefühl auf, ein schmerzliches, das überwiegt alles Große,
was Du mir über Dich sagst, allen heiligen Rat, den Du mir über mich gibst. -
Der Freund, der weit über Land reisen wollt, würde so sprechen zum Abschied! Es
ist nicht wie Deine früheren Briefe, die mitten drin sind im Spiel meiner
Gedanken, Du stehst auf der Höhe, übersiehst alles, befiehlst mir alles an, als
wolltest Du von mir scheiden. Du sagst zwar, was ich von Dir schreibe, habe Dich
gerührt, darum seist Du mir näher gerückt, und es ist auch eine tiefe Harmonie
in dem, was Du von Dir sagst, mit meinem Gefühl von Dir, aber mich macht's
traurig, dass Du willst, ich soll dem Klemens mehr schreiben, ich soll Dir
heilige Versprechungen geben meiner Natur treu zu bleiben, und am meisten tut
mir's weh, dass Du so deutlich die Verschiedenheit unserer Geisteswege
bezeichnest und Dir den angestrengten dornenvollen aneignest, von mir aber
sagst, ich dürfe mich nicht bemühen, ich sei in dem Land von Milch und Honig.
Soll ich nicht mit Dir sein, soll meine Milch und Honig, meine Früchte nicht Dir
