; - und dann hebt sich der Busen ihr
allmählich wieder, mächtig und mächtiger - trinkt Lebensbegeistrung heiligen
Atems voll. So ist das Leben frühlingbegeistert Atemschöpfen, und Sommer und
Herbst sind der Begeisterung Aushauch, und der Winter ist nur Frühlingspause; in
ihr sind alle Sinne schon wieder auf das Atemschöpfen hingewendet.
    Alt ist keiner als nur, wer die Zeit achtet als bestehend. - Die Zeit ist
nicht bestehend - Schwinden ist Zeit. An Schwindendes kann sich Begeisterung
nicht hängen, an nichts kann sie hängen, sie muss frei sein, bloß in sich; denn
sonst wär sie kein Leben. Also die Natur atmet Begeisterung, das ist Frühling;
Sommer und Herbst entströmen dem Atem der Natur, das ist, wo sie alles hingibt,
um aufs neue den Frühling einzuatmen. - Da ist's deutlich, dass der Geist auch
nur Frühlingsatem schöpft, und dass Jugend nicht in Zeit sich einschränkt, die
vergeht, da Lebenslust nicht vergehen kann, weil, wie Natur Frühling aufatmet,
wir Lebensbegeistrung aufatmen. -
    Es ist dumm, was ich hier sag, ist nicht uneingehüllter Geist, der den Wahn
vernichtet, aber unter der armseligen Hülle des zwanzigmal wiederholten
Vergleichs liegt einer zerschmetternden Antwort Keim auf das, was Du mir schon
mehr als einmal gesagt hast: »Recht viel wissen, recht viel lernen, und nur die
Jugend nicht überleben. - Recht früh sterben!« Ach Günderode! Atme aus, um
wieder aufzuatmen, Begeisterung zu trinken - denn: ist Natur nicht bloß dieser
Begeisterung Leben? - Und wär Jugend etwas, wenn's nicht ewig wär? - Wie ich auf
der Warte saß gestern und sah, wie die Natur dem Frühling schon voraus träumte -
da fiel mir's ein, dass Jugend ja ein ewiger Lebensanspruch ist, wer den aufgibt
allein, atmet nicht mehr auf, er lässt den Atem sinken. - Ich weiß nicht, was Du
Jugend nennst? - Ist's nicht jugendlich, den Leib dem Geist aufopfern? - Strebt
sie nicht mit allen Kräften, Geist zu werden? - Was ist denn also die Zeit? -
Nichts als Jungwerden. - Leben muss man immer wollen, denn wenn der Tod kommt,
das ist grade, wo die Jugend sich mündig fühlt zur Unsterblichkeit; wessen
Jugend aber früher abstirbt, wie kann der unsterblich werden? - Wer dächte: ich
will nicht über die Jahre hinaus, wo ich mit zwanzig zähle, denn mit dreißig ist
der Jugend der Stab gebrochen, der müsste einer sein, der Zeit hätt, so was zu
denken, und stünd ebensogut müßig am Ufer als Ladung für den Charonsnachen, mir
deucht aber, Dein Geist, der wie die Natur blütenaufatmend ist,
