 und getan hast, und Du hast außerdem noch
einen nahen Anteil an allem, wie denn dies nicht anders möglich ist. - Ich bitte
Dich aber dringend, lasse es in Deine Stimmung nicht einwirken, sondern sorg,
dass Du mir hübsch ganz Du selbst bleibst, Dein Manuskript ist an den Primas
besorgt worden.
                                                                        Karoline
Was hast Du denn für einen Brief an Voigt geschrieben von einem polnischen
Juden?
 
                                An die Günderode
Das Wetter hat sich geändert, der grüne Bergrasen lacht das bisschen Schnee aus,
was Winter sein will, ich bin den ganzen Tag nicht zu Haus. Die Sonn und der
Mond gehen abends zusammen am Himmel spazieren, ich war gestern früher oben, um
zu sehen, wo sie bleiben, ich guckte in die Luft, die so weich weht, und in die
veränderte Landschaft, weil über Nacht der Schnee weggeschmolzen war, und konnt
mich auf nichts mehr besinnen in der schmeicheligen Natur, so geht's gewiss den
schneeentlasteten Tannen auch und den Wiesen; und die gelben Weiden und die
Birken taumeln in dem lauen Wehen wähnend und schwankend, als könnt der Frühling
wohl einmal den Winter überhüpfen; sie sind im Winterschlaf vom Frühlingstraum
geneckt, ich auch, - ob nicht alle Seligkeit hier Traum von später ist? Sie ist
so kurz, so zufällig. - Frühling ist Seligkeit, weil's Begeisterung ist von der
Zukunft, Seligkeit ist Begeisterung zum Leben, das ist Frühling. Wer ewig zum
Leben begeistert ist, der ist immerdar Lebensfrühling, das Leben ist aber bloß
Begeisterung, denn sonst ist's Tod; und so ist das Leben heut und immer
knospenschwankend im Wind, der die Zeit ist, knospenschwellend in den Sinnen,
was die Natur ist, und knospenduftend im Geist, der die Sonne ist. Das ganze
Leben ist bloß Zukunftsbegeistrung, nicht ein Moment kann aus dem andern
hervorgehn, wär's nicht Begeisterung der Natur fürs Leben. Die Zeit würde
aufhören, wär die Natur nicht mehr frühlingbegeistert, denn bloß dass sie ewig
nach der Zukunft strebt, macht, dass sie lebt; und dass sie ewig den Frühling
erneuert, das ist ihre Seele, ihr Wort, das Fleisch geworden ist. Sie öffnet die
Lippen und schöpft Atem der Zukunft, das ist der Frühling, der blüht schnell
alles heraus, das ist Ausatmen der Begeisterung, Frucht der Blüte, Bestätigung
des begeisterten Lebensatems, Sommer, wo der Busen der Natur atemerfüllt die
Lebenskraft in der Frucht, im Apfel, in der Traube wieder aushaucht in den
Herbst hinüber, in dem er reift, absetzt; das ist im Busen der Natur
Winterpause, da regt sie sich einen Moment nicht, wie die Brust sich auch nicht
regt zwischen Sinken und Steigen vom Atem
