, möcht ich Arm in Arm dahinschlendern, kommst Du heut nicht, so
kommst Du morgen, alle Zeit füllt sich ja so himmlisch, was sollen wir sorgen,
wo wir hinkommen? - Sturm und Gewitter schreibt in die Brust Unvergängliches wie
der heitre Tag; jeder Weg führt zu geheimen Reizen der Natur, warum sollen wir
nicht, wenn's uns lockt, folgen dem strebenden Herzen, den Gestalten, dem Glanz
der Fluren - irren hier und dort herum, wie die Lämmer weiden? - Warum nach
einem Plan das Schöne aufsuchen? - Am End ist doch der Zufall der Reichen
grossmütigster; warum nicht ihm anhängen? - Lässt sich Gott nicht in ihm am
innigsten mit der Seele ein? Befriedigt am liebendsten ihre geheimen Wünsche?
    Ich denk mich so oft mit Dir wandelnd zum nächsten Tor hinaus, den
reizendsten Pfad entlang, der Klemens aber drängt mich an des Parnassus Stufen
und will, ich soll hinauf, und so hab ich ihm geschrieben: »Am Dichten hindert
mich mein Gewissen, wenn ich denk, wieviel reiner tiefer Sinn dazu gehört, um so
weniger kann ich mir's zutrauen; manchmal wandelt es mich freilich an, ich sehne
mich danach wie ein eingesperrtes Kind nach dem Spiel in freier Luft, auf grüner
Wiese im Sonnenschein; ja es schmerzt mich tief, dass ich nicht kann, wie ich
will, und dass alle Sprache, mit der ich mein Sinnen festzuhalten versuche, nur
wie dürres Holz in der Glut meines Herzens zusammenbrennt; wie oft hatte ich
Momente, deren feierliche Mahnung mich auf etwas Ernstes, Tiefes vorbereiteten,
die Poesie schien mir dann ein reifer Schmetterling, der mit dem leisesten Regen
die leichte Hülle sprengte und auf in die Lüfte steigend in den mannigfaltigsten
Blüten meiner Seele schwelgend. Dann fühlt ich wie ein göttlich Unsichtbares,
dem ich geboren, ich war stolz, und wenn die Natur rings mich mit feurigem Blick
anglühte, dann war ich spröde und verschlossen gegen die Feuerkraft, und doch
hätt ich mein Herz dargereicht dem ersten kühnen Augenblick, der mir die Sprache
gelöst hätt, in der meine Lieder geflossen wären. Doch all dies Leben, dies
innere Beben und Aufrauschen ging vorüber, ohne etwas festzuhalten oder zu
erzeugen, und wird vielleicht noch tausendfach in mir erscheinen - und keine
Spuren zurücklassen.«
    Das hab ich Dir abgeschrieben aus meinem Brief an ihn, weil's etwas Erlebtes
ist, was sich mit unendlichen Modulationen mir im Geist wiederholt, ich hab
Visionen, wenn ich die Augen zumache, ich seh nicht allein, ich hör auch
entzückende Töne, wie wenn himmlische Empfindung zu Ton könnt werden; nun fehlt
ja nur die eine Stufe, dass der Ton sich in Geist der Sprache übersetzte; aber
