 Dich, Schwan, ruhig Zwiesprache
haltend mit den flüsternden Schilfen am Gestade und dem lauen Wind Deine
ahnungsvollen Seufzer hingebend und ihnen nachsehend, wie er hinzieht, weit,
weit über den Wassern - und kein Bote kommt zurück, ob er je landete. - Aber
keinen Geist tragen die Schwingen so hoch, dass er die Weite erfasse mit einem
Feuerblick, es sei denn, er fache das heilige Schöpfungsfeuer mit seinem Atem
an, und so werden Flammen aufsteigen, bewegt vom Gesetz Deines Hauchs aus Deiner
Seele, und zünden im Herzen jugendlicher Geschlechter, die, knabenhaft männlich
sich deuchtend, nimmer es ahnen, dass der Jünglingshauch, der ihre Brust erglüht,
niemals erstieg aus Männergeist. - Was denk ich doch? - Der Geist atmet, denk
ich? - Ihn nähren die Elemente, er trinkt die Luft, dies feine Beben und Treiben
in ihr. Auch in und unter der Erde zeugen Gesetze, sittliche und bürgerliche der
Natur. - Die Luft vermählt sich mit der Erde als Geist mit dem Wort; und dass des
Windes Brausen, der Fluten Stürzen Lebensmelodien aussprechen; und dass jedes
Wesen in sich, auch jede Liebe, jede Sehnsucht und jede Befriedigung in sich
trage und die Flamme die Pforte sprenge zu ewiger Verjüngung, das denk ich. -
Dir mehr wie jedem gehört der goldne Friede, dass Du geschieden seist von aller
Störung jener Mächte, die Dich bilden; und drum mein ich als, ich müsse Dich
einschliessen und Wächter vor Dir sein, und dass ich nächtlich möcht an Dein Lager
treten und gesammelten Tau auf Deine Stirne tröpfeln - ich weiß nicht, was Du
bist, es schwankt in mir, aber wo ich einsam gehe in der Natur, da ist es immer,
als suche ich Dich, und wo ich ausruhe, da gedenk ich Deiner. - Es ist eine alte
Warte hier am Ende des Berggartens, eine zerbrochne Leiter inwendig, die keiner
zu ersteigen wagt, führt da hinauf, ich kann mich aber hinaufschwingen mit
einigen Kunstsprüngen, da bin ich also ganz allein und sehe wie weit? - Aber ich
sehe nicht, ich trage mich hin, wo's in der Ferne nur nebelt und schwimmt, und
fordere nicht Rechenschaft vom Auge, froh, dass ich allein bin, und dass mein
gehört, soweit ich mich fühle, da oben bin ich mit Dir, da segne ich die Erde in
Deinem Namen. Und leb wohl, bald schreib ich mehr und deutlicher, ich fühl in
diesem Brief ein elektrisch Beben, wie wenn ein Gewitter sich unter den Wogen
hebt, und doch weiß Jupiter Tonans noch nicht, ob er seinen Konsens dazu geben
soll.
                                                                         Bettine
 
                                 An die Bettine
Meine Abwesenheit von Frankfurt hat gedauert bis im
