; alles aus innerer Lebendigkeit, womit die Natur ihn
durchdringt? -
    In Deinen Gedichten weht mich die stille Säulenordnung an, mir deucht eine
weite Ebne; an dem fernen Horizont rundum heben sich leise wie Wellen auf
beruhigtem Meer die Berglinien; senken und heben sich wie der Atem durch die
Brust fliegt eines Beschauenden; alles ist stille Feier dieses heiligen
Ebenmasses, die Leidenschaften, wie Libationen von der reinen Priesterin den
Göttern in die Flammen des Herdes gegossen, und leise lodern sie auf - wie
stilles Gebet in Deiner Poesie, so ist Hingebung und Liebesglück ein sanfter
Wiesenschmelz tauigter Knospen, die auf weitem Plan sich auftuen dem
Sternenlicht und den glänzenden Lüften, und kaum, dass sie sich erheben an des
Sprachbaus schlanker Säule, kaum dass die Rose ihren Purpur spiegelt im
Marmorglanz heiliger Form, der sie sich anschmiegt; so - verschleiernd der Welt,
Bedeutung und geheime Gewalt, die in der Tiefe Dir quellen - durchwandelt ein
leiser schleierwehender Geist jene Gefilde, die im Bereich der Poesie Du Dir
abgrenzest. - So ist mir immer, wenn ich mich erkühne, aus meinem kindischen
Treiben hinaufzuschauen nach dem Deinen, als säh ich eine geschmückte Braut,
deren priesterliche Gewande nicht verraten, dass sie Braut ist, und deren Antlitz
nicht entscheidet, ob ihr wohl ist oder weh vor Seligkeit. - Mir aber liegt ein
Schmerz in der Seele, den ich oft unterdrückte in Deiner Gegenwart, und was mir
schwer war; aber eine geheime Sehnsucht, Dich Dir selber zu entführen, Dich Dir
selber vergessen zu machen, nur einmal jene Säulengänge, vor denen die Myrte
schüchtern erblüht, zu verlassen und in meiner Waldhütte einzukehren, auf ihrer
Schwelle am Boden sitzend mit mir, von tausend Bienchen umsurrt, die sich satt
trinken in meines Gartens blühenden Kelchen, von den Tauben zärtlich umflattert,
die unter mein Dach heimkehren am Abend und da mehr zu Haus sind, mehr
Wirtschaft machen als Freundschaft und Liebe der Menschen, denn sie behaupten
ihr Vorrecht, alle Gedanken zu übertönen mit ihrem Gegurre. Ja, so erschein ich
mir im Geist gegen Dir über, Du mein liebstes Gut! - So seh ich Dich
dahinwandeln, am Hain vorüber, wo ich heimatlich bin; nicht anders als ein
Sperling, vom dichten Laub versteckt, den Schwan einsam rudern sieht auf ruhigen
Wassern und sieht heimlich, wie er den Hals beugt mit reiner Flut sich
überspülend, und wie er Kreise zieht, heilige Zeichen seiner Absonderung von dem
Unreinen, Ungemessnen, Ungeistigen! - Und diese stillen Hieroglyphen sind Deine
Gedichte, die bald in den Wellen der Zeiten einschmelzen, aber es ist
segenwallender Geist, der sie durchgeistigt, und es wird einst Tau niederregnen,
der aufstieg von Deinem Geist. Ja, ich seh
