 mir, was mich freute. - Lebe wohl! - Dein Naturbrief besonders
hat mir Freude gemacht, er ist wie das Zwitschern junger Vögel, die sich noch im
Nest der Ätzung freuen - die die Mutter in Fülle ihnen gibt, sind sie erst
flügge, dann werden vielleicht auch da Geistesgesetze herausfliegen, von der
Natur gegründet für den Geist, der sie als göttlich zu fassen vermag, aber sie
werden wohl nimmer im Buchstaben können gefasst werden, zum wenigsten nicht in
unserm Jahrhundert. -
    Ist denn das alles von Gedanken, was Du in Dein Buch aufgeschrieben, o
verliere nichts. Hier sende ich Dir ein paar Lieder, lese sie, wie man Gedichte
liest, ohne zu großen Affekt. Denk, dass der Reim auch die Stimmung leitet, und
glaub nicht gleich, ich sei zu traurig. - Gedichte sind Balsam auf Unerfüllbares
im Leben; nach und nach verharscht es, und aus der Wunde, deren Blut den
Seelenboden tränkte, hat der Geist schöne rote Blumen gezogen, die wieder einen
Tag blühen, an dem es süß ist, der Erinnerung Duft aus ihnen zu saugen.
    Die »Pilger« hab ich vor acht Tagen geschrieben, auf das letzte: »Der
Lete-Fluss«, hatte Dein Emigrantenverkehr Einfluss; ich weiß nicht wie.
    Ist St. Klair noch nicht zurückgekehrt? War er bei Dir? -
 
                                    Beilage
                                   Die Pilger
                                Der eine Pilger
Ich bin erkranket
An Liebespein,
Möcht nur genesen,
Wolltst mein du sein.
Dein liebreich Wesen,
Dein Lippenrot
Hält mich gefangen
Bis an den Tod.
Mein Aug ist trübe,
Meine Jugend verdorrt,
Muss Heilung suchen
An heil'gem Ort.
Ich greif zum Stabe,
Ich walle zum Meer,
Es brausen die Winde,
Es tobet das Meer.
Die Vöglein fliegen
so lustig voran,
Sie suchen den Frühling
Und treffen ihn an.
Es hält mich die Liebe,
Ich bliebe so gern,
Doch zieht mich Wehmut
Zum Grabe des Herrn.
Mich sehnet, o süße
Geliebte, nach dir,
Doch wähl ich das Grab mir
Des Heilands dafür.
Da knie ich nieder
Voll bitterem Schmerz,
Da kann ich dich lassen,
Da bricht mir's Herz.
Lebt wohl denn, ihr Augen,
Voll freundlichem Schein,
Mein Blick soll zum Himmel
Gerichtet nur sein.
Die Heilung ist bitter,
Der Weg ist wohl weit,
Doch greif ich zum Stabe
Und ende mein Leid.
                                Der andre Pilger
Ich scheide froh vom Vaterland
Und suche den geliebten Strand,
Wo Jesus Christus wallte.
Wo er in Demut angetan,
Des Erdenlebens schwere Bahn
Mit stillem Sinne wallte.
Was ist die Herrlichkeit der Welt
Und alles, was dem Sinn gefällt? -
Ich will ihm froh entsagen.
Die ird'
