 Busen liegt.
                                   Erdgeister
So wiss'! Es ruht die ew'ge Lebensfülle
Gebunden hier noch in des Schlafes Hülle
Und lebt und regt sich kaum,
Sie hat nicht Lippen, um sich auszusprechen,
Noch kann sie nicht des Schweigens Siegel brechen,
Ihr Dasein ist noch Traum -
Und wir, wir sorgen, dass noch Schlaf sie decke,
Dass sie nicht wache, eh die Zeit sie wecke.
                                    Wandrer
O ihr, die in der Erde waltet,
Der Dinge Tiefe habt gestaltet,
Entüllt, enthüllt euch mir!
                                   Erdgeister
Opfer nicht und Zauberworte
Dringen durch der Erde Pforte,
Erhörung ist nicht hier.
Das Ungeborne ruht hier verhüllet
Geheimnisvoll, bis seine Zeit erfüllt.
                                    Wandrer
So nehmt mich auf, geheimnisvolle Mächte,
O wieget mich in tiefem Schlummer ein.
Verhüllet mich in eure Mitternächte,
Ich trete freudig aus des Lebens Reihn.
Lasst wieder mich zum Mutterschosse sinken,
Vergessenheit und neues Dasein trinken.
                                   Erdgeister
Umsonst! An dir ist unsre Macht verloren,
Zu spät! Du bist dem Tage schon geboren;
Geschieden aus dem Lebenselement.
Dem Werden können wir und nicht dem Sein gebieten,
Und du bist schon vom Mutterschoss geschieden
Durch dein Bewusstsein schon vom Traum getrennt.
Doch schau hinab, in deiner Seele Gründen,
Was du hier suchest, wirst du dorten finden,
Des Weltalls seh'nder Spiegel bist du nur.
Auch dort sind Mitternächte, die einst tagen,
Auch dort sind Kräfte, die vom Schlaf erwachen,
Auch dort ist eine Werkstatt der Natur.
Der Tonie hat Klemens geschrieben, er komme in wenig Tagen - er hofft, mich hier
zu finden, ich kann's nicht ändern, dass ich fortgehe, grade wie er kommt, es tut
mir leid, wie gern ich ihn gesprochen hätte, - Du, sag's ihm doch, in drei
Wochen bin ich zurück, bitte ihn, dass er so lange bleibe, ich werde gewiss um
keinen Tag zögern, es liegt mir daran, ihn zu sehen, das einliegende Blatt gib
ihm, er hat's von mir verlangt, es ist ein Gedicht, was ich schon früher gemacht
habe. Klemens wird zu Dir hinauskommen, ich glaube, Du tust wohl, noch so lang
in Offenbach zu bleiben, bis ich wieder zurück bin, Du bist vergnügt dort, und
niemand legt Dir was in den Weg, hier würden Sitten- und Splitterrichter Dich
verdrießlich machen, Klemens würde dabei manche Frage an Dich tun, die Dir
unlieb sein dürfte, und mir ist's unangenehm, wenn er Dich ins Gebet nimmt.
    Du schreibst mir doch! - Schicke Deine Briefe ins Stift, dort ist am Samstag
und den Donnerstag drauf Gelegenheit, etwas an mich zu schicken.
