 das kann der Weisheit kein Reiz sein; sich in
Menschenangelegenheit mischen, ihre Gebete erhören, die alle verkehrt sind, das
muss bei himmlischer Hofhaltung doch wohl von selber gehen. Sollte Gott sich des
Dings selber annehmen - es wäre unweise - denn der Hauch Gottes überwiegt alles
geistige Wehen der Menschheit, so würde diese denn nimmer der eignen Weisheit
Keim lösen können in sich. Unser Geist ist feuermächtig, er soll sich selbst
anfachen; wir haben die Leidenschaft, sie soll im Geistesfeuer gen Himmel
steigen zum ewigen Erzeuger, in seiner Leidenschaften Glut mit allem übergehen;
nicht umsonst steigt in der Leidenschaft der mächtige Geist der Unsterblichkeit
auf, jeder Hauch, jeder Blick soll ewig währen, das sagt eine innere Stimme.
Alles, was mich entzückt in der Natur, dem schwör ich ewige Treue, der Lüfte
Liebkosungen, wie könnt ich ihnen den heißen Atem weigern, der heiß nur ist, um
in der Lüfte Liebe sich zu kühlen. Die klaren schwankenden Wässer, wie sollt ich
ihnen nicht vertrauen, die mich tragen, ruhig gebettet, auf ewig regem Leben,
wie die Liebe das Geliebte trägt, und die sanfte weiche Erde, wie sollten die
Sinne ihr sich abwenden, die keine Regung ungeboren lässt, jeden Keim in die
Lüfte trägt und Flügel gibt, heimlich in die Wiege alles Geschaffnen, die der
Geist mächtig zum Himmel einst entfalte, wenn er gereift ist durch ihre Spende -
sie, die himmlische Erde - auf der frohlockend sich alles Leben tummelt und
alles trägt im Busen und über ihm - die sie auf sich herumtrapplen lässt, all die
Lebendigen - und gibt ihnen die Milch ihrer Kräuter und Früchte, die in so
großer Fülle aus dem Busen ihr springen - ja, wie sollt ich nicht mit heißer
Liebe sie lieben, die Doppelliebige? - Und dann - das Licht, das niedersteigt
ins Dunkel einsam drin zu spielen; - und der Einsamkeit Odem einbläset und der
Erde Kräfte nährt und tränkt, die dann den Geist umspielen, dass er im
verschlossenen Dunkel seiner selbst des Lichtes Leidenschaft für ihn sich
erinnere und auch ihm zuwachse sich mit ihm zu küssen. Wenn Ihr alle dichtet von
jenen Wahrheiten, so mächtig, so selbstlebend, dass sie dem Dichter den Busen
bewegen, dass er ihr Element werde, und sie ewig ausspreche, o, so lasset sie für
mich geboren sein, dass ich ihnen traue, dass ich mich ihnen hingebe und sie
genieße, für was drängten sie sich ewig in Euren Geist, für was rührten sie Eure
Lippen, die Ihr sie aussprecht, wenn sie nicht wahrhaft lebendig Leben wären,
das durch Euch wiedergeboren soll werden in die Sinne der Menschen. Nun, meine
Sinne sind fruchtbarer Acker, sie haben Euren Samen
