 strömt sie
schäumend den Winden entgegen, die dröhnen - in Abgrund sich wühlend - sie
zurück. - Ja, das ist Beetovens Meer der Musik, von Himmel zu Himmel steigen
die Töne und kühner, je öfter hinab sie wieder strömen, und fühlst hoch über
diesem Doppelschall Dich geborgen auf freiem Fels, umkreist von jenen wütenden
Orkanen, jenen Wogen, die ohne Ende Dir ans Herz steigen und ohne Ende
zurückgeworfen, ohne Aufhören wiederkehren mit erneuter Macht, Dich
umschmettern, einander überwogend, und doch sich wieder teilend im Sonnenozean
der Harmonie. Und endlich die sehnenden Stimmen all, tummelnd in fröhlicher
Verwirrung des Jauchzens der Wehmut und der tausend Gefühle, die von seiner
Meisterhand ein einzig leises Zeichen - alle zugleich einstimmen: »Jetzt ist's
genug!« -
    Ach, wie ist's doch da in der Brust? - Ja, gesteh! - Ist sie nicht das Meer,
die Musik? - Und er, der Beethoven, ist er es nicht, der ihm gebietet? - Und
fühlst nicht auch hier: das Göttliche, was den Geist des Erschaffens gibt, sei
die ungebändigte Leidenschaft? - Und glaubst nicht, dass Gottes Geist sei nur
lauter Leidenschaft? - Was ist Leidenschaft, als erhöhtes Leben durchs Gefühl,
das Göttliche sei Dir nah, Du könnest es erreichen, Du könnest zusammenströmen
mit ihm? - Was ist Dein Glück, Dein Seelenleben als Leidenschaft, und wie erhöht
sich Deines Wirkens Kraft, welche Offenbarungen tun sich auf in Deiner Brust,
von denen Du vorher noch nicht geträumt hattest? Was ist Dir zu schwer? -
Welches Deiner Glieder würde sich nicht regen in ihrem Dienst, - wo bleibt Dein
Durst, Dein Hunger? - Siehst Du wohl, da fängst Du schon an von der Luft zu
leben; leicht wie ein Vogel übersteigst Du Unersteigliches, und in die Ferne
hinüber sendest Du Deiner Unsterblichkeit Flammen, und sie entzünden Ewiges, und
es weiht sich Deinem Dienst, ergießt sich auch in Leidenschaftsströmen, in den
großen Ozean, über dem die ewigen Sterne Dir leuchten und die Nacht in ihrem
Glanz erbleicht und die Morgenröten freudig aufwachen. - Ja drum! - der Irrtum
der Kirchenväter, Gott sei die Weisheit, hat gar manchen Anstoß gegeben; denn
Gott ist die Leidenschaft. - Groß, allumfassend im Busen, der alles Leben
spiegelt wie der Ozean, und alle Leidenschaft ergießt sich in ihn wie
Lebensströme. Und sie alle umfassend ist Leidenschaft die höchste Ruhe.
    Jetzt will ich Dir was sagen: ich will nicht mehr haben, dass Du voll Angst
seufzest um mein Nichtstun! Ich weiß wohl - und wenn ich's beim Licht betracht,
so konnt ich meine Zeit besser zubringen, als sie zu dem
