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ein bisschen; was schreib ich doch hier dumm Zeug hin, und kann's kaum mehr
lesen, jetzt dämmert's schon stark - wie schön doch die Natur ihren Schleier
ausbreitet - so licht, so durchsichtig - jetzt fangen die Pflanzenseelen an
umherzuschweifen, und die Orangen im Boskett. Und der Lindenduft - es kommt Well
auf Well herüber geströmt - es wird schon dunkel - Nachtigallen werden so eifrig
- sie schmettern recht in die Mondstille, - ach, wir wollen was recht Großes tun
- wir wollen nicht umsonst zusammengetroffen haben in dieser Welt - lass uns eine
Religion stiften für die Menschheit, bei der's ihr wieder wohl wird - ein Sein
mit Gott - Dein Mahomet hat's mit ein paar Ritt in den Himmel auch zuwege
gebracht. - Ein bisschen Spazierenreiten in den Himmel.
 
                                An die Günderode
Gestern hab ich vergessen Dir zu schreiben, dass ich Dein Gedicht an den Klemens
geschickt hab nach Marburg, ich hab mir's aber erst abgeschrieben, ich wollt Dir
auch sagen, wie schön ich's find. Aber vor Dankbarkeit, dass ich Dich als
Freundin hab, hab ich's versäumt. Aber Du siehst's doch im Brief gespiegelt, dass
es Dein groß Herz ist, das mich rührt, und dass ich mich unwert halt, Deine
Schuhriemen zu lösen. - Du wählst Dir einen schönen Gedanken und fügst ihn in
Reime zu einem Ehrenmantel für den Klemens, ach, was hast Du da für eine schöne
Tugend, hebst den Geist heraus aus dem Erdenleben. - Gott schuf die Welt aus
nichts, predigten immer die Nonnen, - da wollt ich immer wissen, wie das war -
das konnten sie mir nicht sagen und hießen mich schweigen, aber ich ging umher
und schaute alle Kräuter an, als müsste ich finden, aus was sie geschaffen seien.
- Jetzt weiß ich's, er hat sie nicht aus nichts geschaffen, er hat sie aus dem
Geist geschaffen, das lern ich vom Dichter, von Dir, Gott ist Poet, - ja - so
begreif ich ihn - heut las ich bei der Grossmama aus dem Hemsterhuis vor: der
Choiseil sagte: »Il faut que Dieu ait la figure de l'homme comme il l'a crée
d'après son image.« Der d'Allaris meinte: »C'est fort singulier, monsieur, de se
figurer la figure de Dieu avec un visage humain, comme celui-là est fait pour
des besoins et des fonctions terrestres auxquelles Dieu ne doit avoir aucun
rapport, en raison de sa force et de son grand courage le monde entier devrait
s'en aller en poussière si par exemple le bon Dieu
