 und wie sie sich
erweckt und belebt fühlte durch diese Hingebung und den ganzen Zauber dieser
reinen und tiefen Liebe, so strömten in ihrer reichen Seele nur jeden Tag neue
Entwickelungen hervor, an denen sie sich kindlich erfreute, sie alle dem
Geliebten dankend.
    Unser Gefühl hält uns zurück, den hinreichend durch unsere Mitteilungen
dargelegten Zustand der beiden Glücklichen zu umschleichen; dennoch werden wir
dies Gefühl in allen seinen Stadien andeutend verfolgen müssen, da es fortan die
Atmosphäre oder das Schicksal dieser so innig sich gehörenden Wesen bildet, und
ihr ganzes Leben gestaltet und bestimmt.
    Schon nahte sich die Zeit, die Leonin als die seiner Abreise angesetzt
hatte, und er, wie Fennimor gingen ihr mit so bangem, beklommenem Herzen
entgegen, als stehe ein Gewitter über Beider Haupt. Keiner wagte den Andern
daran zu erinnern, aber Beide verstanden die bange Furcht ihrer Herzen, und wenn
Fennimor sich plötzlich, weinend wie ein Kind, an seine Brust warf, frug er sie
nicht, warum sie weine, und ließ auch den Tränen seiner eigenen Augen freien
Lauf, denn er schämte sich dieses treuen Mitgefühls nicht.
    Was dabei Crecy's Besorgnisse noch mehr erregte, als selbst Fennimors
unerfahrenes Herz es auffasste, war das sichtliche Abnehmen der Lebenskräfte des
ehrwürdigen Sir Reginald. Diesem kindlichen Greise, der seit einigen vierzig
Jahren die Wälder von Stirlings-Bai und ihre nächsten Umgebungen nicht mehr
verlassen hatte - dessen Erinnerungen bis auf das Leben mit seiner Gattin
erblasst waren, der die großen Umwälzungen, die die Welt indessen erlitten, nur
wie ein Schattenspiel ohne ihre wahren Farben, ohne von ihrem Einflusse berührt
zu werden, an sich hatte vorübergehen lassen, der vom Leben sich so leise, so
mild abgelöst, dass er nur, um Fennimor Gesellschaft zu leisten und ihre Existenz
unangerührt zu lassen, das Leben fest gehalten hatte als eine noch nicht gelöste
Aufgabe - ihm sank mit jedem Tage, jetzt, wo Fennimor ein neues Dasein
ergriffen, das er kindlich unwissend durch Crecy's Herz für gesichert hielt, die
Lebenssonne tiefer herab. Er fühlte in sich schon den Tag nahen, wo sie ihm
versinken würde, und seine Züge trugen das Lächeln der Verklärung, wie einen
liebevollen Trost, um die bleichere eingesunkenere Wange. Schon nahmen die
sanften Laute der brechenden Stimme bei jeder liebevollen Anrede Abschied von
dem Lebenden, und Crecy sah mit tausend bangen Gedanken, wie die schwankenden
Schritte verrieten, dass die ehrwürdige Gestalt sich nicht mehr aufrecht zu
tragen vermochte, und die weißen Locken dem müden Haupte nach über die Brust
zusammen fielen.
    Fennimor sah die Veränderung ihres Vaters, aber sie kannte den Tod nicht,
sie hatte noch nie daran gedacht, ihr Vater könne sterben, und so hatte sie
immer eine neue Erklärung
