 Seufzer begleitet, die kaum hörbar geflüsterte Antwort, welche Eugen auf
sein besorgtes Fragen von ihm erhielt.
    Eugen blickte staunend ihn an. Ach, hätte ich Russland nie gesehen! setzte
er, gleich einem Träumenden unwillkürlich in sich hinein redend, nach kurzem
Schweigen noch hinzu.
    Jetzt begann Eugen in der Tat, ein seinem Freunde widerfahrnes Unglück zu
fürchten, und hörte nicht auf mit bittenden Fragen in ihn zu dringen. Richard
blickte mit jenem trüben Lächeln zu ihm auf, das weit schmerzlichere Klagen
ausspricht, als Tränen es könnten.
    Du frägst so mitleidig, was mir geschehen? sprach er sehr leise: ach! nichts
und alles, und nicht erst heute oder gestern. Sieh um Dich, so recht mit Deinem
innern Auge. Sieh das prunklose, einfache, genussreiche Leben um uns her,
betrachte es genau. Sieh und fühle, wie durch des Tages Arbeit und Mühen die
Freude des Abends erst zur Freude erhoben wird. Dies ist das Leben, das Glück
des Mittelstandes; zu diesem wurde ich geboren, und wurde früh dafür verdorben,
das ist mein Schmerz! Was hier Reichtum ist, würde in Deiner Sphäre Armut
heißen, und welche Genüsse bietet diese glückliche Armut! Hierher gehöre ich;
warum musste ich aus meinem tiefen Tale auf Eure sonnige Felsenhöhe verpflanzt
werden, wo ich nie festwurzeln werde, wo ich, im nutzlosen Streben danach, am
Ende doch verkümmern muss?
    Und Helena? erwiderte mit einem Händedruck Eugen.
    Ach, stünde sie in der Welt nicht höher als jene Julie! seufzte Richard.
    Und könnte sie dann noch Helena sein? fragte Eugen.
    Ich weiß, ich fühle, es ist wie es ist, und keine Gewalt im Himmel und auf
Erden kann die verworrene Zerrissenheit meines unseligen Daseins zu einem Ganzen
umbilden, klagte Richard. Aber verarge es mir wer da kann, ich bin müde dieses
Harrens auf eine unbestimmte Zukunft, dieses Hoffens ins weite Blaue hinein
müde, müde bis zum Tode. Die Luftschlösser, die ich mit Hilfe Deiner sorgenden
Liebe mir erbaute, was ist aus ihnen geworden? sie lösen in Nebel sich auf.
Langsam kriecht der Schneckengang meines Lebens von einem Tage zum andern mit
mir fort. Was hilft mir Deines Vaters Wohlwollen? der mächtige Schutz Deines
Hauses? was hilft es mir sogar, dass, wie Du sagst, der Kaiser, seit jenem
seltsamen Zusammentreffen mit ihm, meinen Namen kennt, und gnädig meiner
erwähnte? Mein Ziel rückt immer weiter hinaus, ein Wunder nur könnte mich
retten, und Wunder geschehen nicht mehr!
    Mit bewundernswürdiger Geduld hatte Eugen diese lange Jeremiade seines
Freundes bis ans Ende angehört, doch jetzt brach er mit fast strafendem Ernste
los: Kleinmütiger, Verzagter, sprach er, Wunder geschehen
