 ist, ein böhmisches Mädchen. Durchfliege
mit entzücktem Blick die Schwesterreihe dieser Gesichter, von denen jedes dem
andern ähnlich sieht, und frage, wem Du den Preis zuerkennen sollst, ob der
reizenden Mutter oder der reizenden Tochter? Denn der Nationaltypus dieser
ausgezeichneten Bildung hat zugleich ein so dauerndes und erhaltendes Leben in
sich, dass er oft noch bis in das höhere Frauenalter hinein wunderbar fortblüht.
Die Gestalt ist selten groß und hervorragend, aber fast immer von einer üppigen
Poesie des Ausdrucks, die mit rund geschwungener Wellenlinie Hals, Nacken, Busen
und Hüften in lieblicher Fülle zeichnet. In langem, weichem, dichtem Gelock
umfliesst das schöne Haupthaar, oft blond, öfter kastanienbraun, die zärtliche
Schläfe, und die etwas blasse Wange erhöht in einem anmutigen Oval den feinen
Glanz des Gesichtes. Das am häufigsten gesehene blaue Auge strahlt ein dunkles
Feuer von sich, und lässt in eine brennende Tiefe schauen, aus der Mut, Seele,
Andacht und Liebe leuchtend auftauchen. Es sprüht etwas Katolisches aus diesem
dunkel flammenden Blick der Pragerinnen, und zugleich so viel Sinnenglut; es
ist eine frivole Mystik, welche das Auge zu uns emporschlägt, und das unsere,
Blick um Blick, gefangen hält. Wie gotisch wölbt sich der Blick dieser Augen;
auch schwimmt um die trunkene Bewegung der Iris ein leiser Heiligenschein, ich
kann es nicht leugnen. Es ist mir, als gingen sie alle in die Messe, während ich
sie da hinwandeln sehe, reich geschmückt, in bezaubernder Haltung der
lebenstrahlenden Glieder. Und ich folge ihnen bis an die Kirchtür, und ihr Auge
trifft mich im Umwenden noch einmal, wie ein versengender Blitz, und ich weiß
nicht, soll ich mit ihnen beten gehen, und die Messe hören, und meine Sinne erst
in frommer Musik berauschen, dann im dreisten Glück der Liebe! Wer nie einer
Pragerin tief in die Augen gesehen, weiß nicht, was Mystik ist und was
Sinnlichkeit; er hat nie ein Gedicht gelesen, das in Flammen der Erde spielt und
an Sternen des Himmels sich sonnt. Die feingeformte Nase, fast immer ein
zierlicher Adlertypus, welcher die nationelle Gleichförmigkeit der Gesichter
hervorbringt, vermehrt die liebliche Keckheit des Ausdrucks, die den
Physiognomieen eigen, und der Ernst bei aller Anmut, welcher die Gestalt
umschwebt, zaubert ein dunkelgesättigtes Kolorit über ihr ganzes Wesen hin, das
von einer heimlichen Glut durchwärmt ist. So zeigt sich Fülle und Energie des
Lebens, Rundung und Harmonie der Formen, sinnlicher Schmelz und poetische
Leidenschaft, kräftiger und gesunder Drang der Natur, ein Dasein für den Genuss
geschaffen, aber ohne kränkelnde Sehnsüchtigkeit, sondern mutig und sieghaft im
Herauskehren seiner Blüte.
    Es ist ein freibewegtes, gestaltvolles Leben hier, und im raschen Glück und
Wechsel der Stunde
