 Schreibe bald, dass
ich wieder was zu übersetzen habe.
 
                                   An Goethe
                                                               G., 17. September
Freundlicher Mann! Du bist zu gut, Du nimmst alles, was ich Dir im heiteren
Übermut biete, als wenn es noch so viel Wert habe; aber ich fühl's recht in
Deinem freundlichen Herabneigen, dass Du mir gut bist wie dem Kind, das Gras und
Kräuter bringt und meint, es habe einen auserlesenen Strauss zusammengesucht; dem
lächelt man auch so zu und sagt: »Wie schön ist dein Strauss, wie angenehm duftet
er, er soll mir blühen in meinem Garten, hier unter mein Fenster will ich ihn
pflanzen;« und doch sind es nur wurzellose Feldblumen, die bald welken. Ich aber
sehe mit Lust, wie Du mich in Dich aufnimmst, wie Du diese einfachen Blumen, die
am Abend schon welken müssten, ins Feuer der Unsterblichkeit hältst und mir
zurückgibst. - Nennst Du das auch übersetzen, wenn der göttliche Genius die
idealische Natur vom irdischen Menschen scheidet, sie läutert, sie enthüllt, sie
sich selbst wieder anvertraut, und so die Aufgabe, selig zu werden, löst? Ja,
Goethe, so machst Du die Seufzer, die meine sehnende Liebe aushaucht zu
Geistern, die mich auf der Straße der Seligkeit umschweben; ach, und wohl auch
meiner Unsterblichkeit weit voraneilen.
    Welch heiliges Abenteuer, das unter dem Schutze des Eros sich kühn und stolz
aufschwingt, kann ein herrlicher Ziel erreichen, als ich in Dir erreicht habe!
Wo Du mir zugibst mit Lust: Gehemmt sei nun zum Vater hin das Streben. - O glaub
es: nimmer trink ich mich satt an diesen Liebesergiessungen; ewig fühl ich von
brausenden Stürmen mich zu Deinen Füßen getragen, und in diesem neuen Leben, in
dem meine Glückssterne sich spiegeln, vor Wonne untergehn.
    Diese Tränen, die meine Schrift verblassen, die möcht ich wie Perlen
aufreihen und geschmückt vor Dir erscheinen und Dir sagen: vergleiche ihr reines
Wasser mit Deinen andern Schätzen, und dann solltest Du mein Herz schlagen hören
wie am Abend, wo ich vor Dir kniete.
    Geheimnisse umschweben Liebende, sie hüllen sie in ihre Zauberschleier, aus
denen sich schöne Träume entfalten. Du sitzest mit mir auf grünem Rasen und
trinkst dunklen Wein aus goldnem Becher und giessest die Neige auf meine Stirn.
Aus diesem Traum erwachte ich heut voll Freude, dass Du mir geneigt bist. Ich
glaube, dass du teil an solchen Träumen hast; dass Du liebst in solchen
Augenblicken; - wem sollte ich sonst dies selige Sein verdanken, wenn Du mir's
nicht gäbst! - Und wenn ich denn zum gewöhnlichen Tag erwache, dann ist mir
alles so gleichgültig, und was mir auch geboten wird
