 und stürzen
sich mit Macht in die kalten Wellen Deiner Zeit und brausen auf, dass Berg und
Tal rauchen von Lebensglut, und die Wälder stehen mit glühenden Stämmen an
Deinen Gestaden; und alles, was Du anblickst, wird herrlich und lebendig. Gott,
wie gern möcht ich jetzt bei Dir sein! Und wär ich im Flug, weit über alle
Zeiten und schwebte über Dir: ich müsste die Fittiche senken und mich gelassen
der stillen Allmacht Deiner Augen hingeben.
    Die Menschen werden Dich nicht immer verstehen, und die Dir am nächsten zu
stehen behaupten, die werden am meisten Dich verleugnen; ich seh in die Zukunft,
da sie rufen werden: »Steiniget ihn!« Jetzt, wo Deine eigne Begeisterung gleich
einem Löwen sich an Dich schmiegt und Dich bewacht, da wagt sich die Gemeinheit
nicht an Dich.
    Deine Mutter sagte letzt: »Die Menschen sind zu jetziger Zeit alle wie
Gerning, der immer spricht: Wir übrigen Gelehrten, und ganz wahr spricht; denn
er ist übrig.« -
    Lieber tot als übrig sein! Ich bin es aber nicht, denn ich bin Dein, weil
ich Dich erkenne in allem. - Ich weiß, dass, wenn sich auch die Wolken vor dem
Sonnengott auftürmen, dass er sie bald wieder niederdrückt mit glänzender Hand;
ich weiß, dass er keinen Schatten duldet als den er unter den Sprossen seines
Ruhmes sich selber sucht. - Die Ruhe des Bewusstseins wird Dich überschatten; -
ich weiß, dass, wenn er sich über den Abend hinwegbeugt, so erhebt er wieder im
Morgen das goldne Haupt. - Du bist ewig. - Drum ist es gut mit Dir sein.
    Wenn ich abends allein im dunklen Zimmer bin und des Nachbars Lichter den
Schein an die Wand werfen, zuweilen auch Streiflichter Deine Büste erleuchten,
oder wenn es schon still in der Stadt ist, in der Nacht; hier und dort ein Hund
bellt, ein Hahn schreit; - ich weiß nicht, warum es mich oft mehr wie menschlich
ergreift; ich weiß nicht, wo ich vor Schmerz hin will. - Ich möchte anders als
wie mit Worten mit Dir sprechen; ich möchte mich an Dein Herz drücken; - ich
fühl, dass meine Seele lodert. - Wie die Luft so fürchterlich still ruht kurz vor
dem Sturm, so stehen dann grade meine Gedanken kalt und still, und das Herz wogt
wie das Meer. Lieber, lieber Goethe! - Dann löst mich eine Rückerinnerung an
Dich wieder auf; die Feuer- und Kriegszeichen gehen langsam an meinem Himmel
unter, und Du bist wie der hereinströmende Mondstrahl. Du bist groß und herrlich
und besser als alles, was ich bis heute erkannt und erlebt hab. - Dein ganzes
