 Lüfte, als wolle er frohlockend fragen: »Was
bring ich?« - Und nun bricht Goethe seinen Brief auf und findet das unmündige
Stammeln eines unbedeutenden Kindes. Soll ich noch Verzeihung fordern? - O, Sie
wissen wohl, wie übermächtig, wie voll süßen Gefühls das Herz oft ist, und die
kindische Lippe kann das Wort nicht treffen, den Ton kaum, der es widerklingen
macht.
                                                                Bettine Brentano
 
                                   An Bettine
                 im Brief an seine Mutter eingelegt von Goethe.
Solcher Früchte, reif und süß, würde man gern an jedem Tag genießen, den man zu
den schönsten zu zählen berechtigt sein dürfte.
                                                                 Wolfgang Goethe
Liebe Mutter, geben Sie dies eingesiegelte Blättchen an Bettine und fordern Sie
sie auf, mir noch ferner zu schreiben.
 
                                   An Goethe
                                                                      Am 25. Mai
Wenn die Sonne am heißesten scheint, wird der blaue Himmel oft trübe; man
fürchtet Sturm und Gewitter, beklemmende Luft drückt die Brust, aber endlich
siegt die Sonne; ruhig und golden sinkt sie dem Abend in den Schoss.
    So war mir's, da ich Ihnen geschrieben hatte; ich war beklemmt, wie wenn ein
Gewitter sich spüren lässt, und ward oft rot über den Gedanken, dass Sie es
unrecht finden möchten, und endlich ward mein Misstrauen nur durch wenig Worte,
aber so lieb gelöst. Wenn Sie wüssten, wie schnelle Fortschritte mein Zutrauen in
demselben Augenblick machte, da ich erkannte, dass Sie es gern wollen! - Gütiger,
freundlich gesinnter Mann! Ich bin so unbewandert in Auslegung solcher
köstlichen Worte, dass ich schwankte über ihren Sinn; die Mutter aber sagte: »Sei
nicht so dumm, er mag geschrieben haben, was er will, so heißt es, Du sollst ihm
schreiben, so oft Du kannst, und was Du willst.« - Ach, ich kann Ihnen nichts
anders mitteilen, als bloß was in meinem Herzen vorgeht. O dürft ich jetzt bei
ihm sein, dacht ich, so glühend hell sollte meine Freudensonne ihm leuchten, wie
sein Auge freundlich dem meinigen begegnet. Ja wohl, herrlich! Ein Purpurhimmel
mein Gemüt, ein warmer Liebestau meine Rede, die Seele müsste wie eine Braut aus
ihrer Kammer treten ohne Schleier und sich bekennen: »O Herr, in Zukunft will
ich Dich oft sehen und lang am Tage, und oft soll ihn ein solcher Abend
schließen.«
    Ich gelobe es, dasjenige, was von der äußeren Welt unberührt in mir vorgeht,
heimlich und gewissenhaft demjenigen darzulegen, der so gern teil an mir nimmt,
und dessen allumfassende Kraft den jungen Keimen meiner Brust Fülle
befruchtender Nahrung verspricht.
    Das Gemüt hat ohne Vertrauen ein hartes Los; es wächst langsam und dürftig,
wie eine heiße Pflanze zwischen Felsen; so
