 den Weg zu ihm hinauf nicht finden? -
 
                       Dieses Fleisch ist Geist geworden
Diese Worte habe ich als Inschrift des Monuments erwählt. Was der Liebende dir
zuruft, Goethe, es bleibt nicht ohne Antwort. Du belehrst, du erfreust, du
durchdringst, du machst fühlbar, dass das Wort Fleisch annimmt in des Liebenden
Herz.
    Wie der Ton hervorbricht aus dem Nichts und wieder hinein verhallt, der das
Wort trug, was nie verhallt, was in der Seele klingt und alle verwandten
Harmonien ausruft: so bricht auch die Begeisterung hervor aus dem Nichts und
trägt das Wort ins Fleisch und verhallt dann wieder. - Der Geist aber, der sich
vermählt mit der Weisheit des Wortes, wie jene himmlischen Kräfte sich im Boden
vermählen mit dem Samen, aus dessen Blumen sie im Duft wieder aufsteigen zu
ihrem Erzeuger, der wird auch emporsteigen, und ihm wird Antwort ertönen vom
himmlischen Äther herab.
    Der Zug der Lüfte, die auch aufseufzen und daherbrausen wie die Sehnsucht,
von denen wir nicht wissen, von wannen, die haben auch keine Gestalt; sie können
nicht sagen: »Das bin ich!« Oder: »Das ist mein!« - Aber der Atem der Gottheit
durchströmt sie, der gibt ihnen Gestalt; denn er gebärt sie durch das Wort ins
Fleisch. - Du weißt, dass die Liebe die einzige Gebärerin ist; - dass, was sie
nicht darbringt dem himmlischen Erzeuger, nicht zur ewigen Sippschaft gehöre? -
Was ist Wissen, das nicht von der Liebe ausgeht? - Was ist Erfahrung, die sie
nicht gibt? - Was ist Bedürfnis, das nicht nach ihr strebt? - Was ist Handeln,
das nicht sie übt? - Wenn Du die Hand ausstreckst und hast den Willen nicht, die
Liebe zu erreichen, was hast Du da? - Oder was erfassest Du? - Der Baum, den Du
mit allen Wurzeln in die Grube einbettest, dem Du die fruchtbare Erde zuträgst,
die Bäche zuleitest, damit er, der nicht wandern kann, alles habe, was ihn
gedeihen macht, der blüht Dir und Deine Sorge schenkst Du ihm darum; ich auch
tue alles, damit sein Andenken mir blühe. - Die Liebe tut alles sich zu lieb,
und doch verlässt der Liebende sich selber und geht der Liebe nach.
                               Ende des Tagebuchs
 
                                    Fußnoten
1
Warum ich wieder zum Papier mich wende?
Das musst du, Liebster, so bestimmt nicht fragen:
Denn eigentlich hab ich dir nichts zu sagen;
Doch kommt's zuletzt in deine lieben Hände.
Weil ich nicht kommen kann, soll, was ich sende
Mein ungeteiltes Herz hinübertragen
Mit Wonnen, Hoffnungen, Entzücken, Plagen:
Das alles hat nicht Anfang, hat nicht Ende.
