, es ist feierliche Stille, es ist feierliche Wehmut, die
mich ganz durchgreift. In meiner Brust ordnen sich die Harmonien, die Tonarten
lösen sich voneinander, jede fühlt die Organe ihrer Verwandtschaften in sich
mächtig, und was sie vermag. So ist es in meiner Brust, weil ich's wage, mich
vor Dich zu stellen, mitten in Deinen Weg, den Du eilend durchjagst, und Dich zu
fragen: Kennst Du mich noch? - die außer Dir niemand kennt? - Siehe, inmitten
dieser Brust steht der reine Kelch der Liebe, gefüllt bis zum Rand mit herbem
Trank, mit bitteren Tränen schmerzlichen Entbehrens. Wenn die Harmonien
übergehen ineinander, dann wird der Kelch erschüttert, dann strömen die Tränen;
sie fließen Dir, der Du die Totenopfer liebst, der Du sagtest: »Unsterblich
sein, um nach dem Tode tausendfach in jedem Busen zu erwachen.« Ja! Damals
wollte ich: allein in meinem Busen solltest Du erwachen; und es ist wahr
geworden, und dicht hinter mir und Dir ist das Leben abgeschlossen. Ach, ich bin
Deiner heiligen Gegenwart nicht gewachsen, ich wage zu viel und stürze zusammen
und sehne mich nach einer Brust, die lebt unter den Lebenden, die meine
Geheimnisse aufnimmt und mich wärmt; denn: vor Dir stehen gibt schauerliche
Kälte; und die Hände muss ich ringen, dass ich Deiner so verinnigt zu denken wage.
Nein! - Nicht Dich rufen! - Nicht die Hände nach Dir ausstrecken, in dieser
seltsamen schauerlichen Stunde nach Dir forschen über den Sternen, hinaufsehen,
Deinen Namen rufen? - Ich wage es nicht! - O ich fürchte mich! - Besser
bescheiden den Blick senken auf das Grab, was Dich deckt; Blumen sammeln, sie
Dir hinstreuen; ja, die süßen Blumen der Erinnerung, alle wollen wir sammeln,
sie duften so geistig, mag sie einer bewahren zu Deinem und meinem Gedenken,
oder mag sie der Zufall verwehen, einmal will ich die süßen Geschichten der
Vergangenheit noch durchgehen.
Heute erzähle ich Dir, wie Du mich in dunkler Nacht unbekannte Wege führtest,
das war in Weimar auf dem Markt, als wir an eine Treppe kamen und Du zuerst
niederstiegst und als ich unsicher zu folgen versuchte, mich in Deinen Mantel
gehüllt dahin trugst; Herr! Ist es wahr? - Hast mich in beiden Armen schwebend
getragen? Wie schön warst Du da, wie groß und edel, wie leuchtete Dein
durchdringender Blick dunkel im Glanz der Sterne mich an. Da oben mit beiden
Armen Dich umschlingend, wie war ich selig! Wie lächeltest Du, dass ich so selig
war, wie freute es Dich, dass Du mich hattest, über Dir schwebend mich trugst,
wie freute
