 Begeisterung. - Das stille Feuer Deiner dunklen
Augen, die Ruhe Deiner Glieder, Dein kindlich Lächeln zu meiner List im
Erzählen, Deine gelehrige Andacht für meine Begeisterung. Ja, und Du senktest
Dein heilig Haupt zu mir herab und sahst mich an, die ich geweiht war durch
Deine Nähe.
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                                 An den Freund
Vielleicht verscherz ich Dein bisschen Andacht zu mir, dass ich Dich so tief in
den Schacht meines Herzens einsenke, wo es so wunderlich hergeht, dass die Leute
sagen würden, es sei Narrheit. - Ja, Narrheit ist die rechte Scheidewand
zwischen dem ewig Unsterblichen und dem zeitlich Vergänglichen. Es scheue
keiner, die irdischen Gewande zu versehren am göttlichen Feuer. Du bist mein
Freund, oder bist Du's auch nicht, ich weiß es nicht, immer muss ich Dich so
annehmen, da Du mitten im Geheimnis meiner Brust stehst wie ein Pfeiler, an den
ich mich anlehne, und wie der gewandte Schwimmer von gefährlicher Höhe sich in
die Fluten stürzt vor solchen Augen, denen er seine Kühnheit bewähren möchte, so
wage ich, weil Du mir Zeuge bist, diesen dämonischen Gewalten mich anheim zu
geben, diese Tränenflut, in der ich spiele, diese Frühlingsbegeistrung meiner
Liebeszeit zu Goethe und die Vorwürfe, die in mir aufsteigen würden, mir das
Herz zerreißen, wenn ich nicht den Freund hätte, der zuhörte und nachempfände,
was ich hier ausspreche.
    Der letzte Akt der Blütezeit ist, dass sie ihren befruchtenden Staub mit dem
Samen in ihrem Kelch mische, dann tragen die Lüfte sich spielend mit ihren
gelösten Blättern und gaukeln eine Weile mit dem Schmuck der Begeisterung. Bald
sieht kein Auge mehr von ihrem Glanz, ihre Zeit ist vorüber; der Same aber
quillt und offenbart in der Frucht das Geheimnis der Erzeugung. Vielleicht, wenn
diese Blätter der Begeisterung vom Stamme gelöst dahinwirbeln und wie jene
kleinen Blütenkronen, nachdem sie ihren Duft ausgehaucht, vom irdischen Staub
beschwert, flügellahm sich endlich unter die Erde betten, dass es dann in dem
Herzen des Freundes, dem sie duften, auch quillt und der Segen dieser schönen
Liebe zwischen dem Dichter und dem Kinde sich an seinem Geist bewähre und ihn zu
der Schönheit befruchte, deren Abbild in seinen edlen Zügen sich malt.
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                                   An Goethe
Wie begierig nach Liebe warst Du! Wie begierig warst Du, geliebt zu sein! -
»Nicht wahr, du liebst mich? Nicht wahr, es ist dein Ernst, du betrügst mich
nicht?« - so fragtest Du, und ich sah Dich an und schwieg. »Ich bin leicht zu
betrügen, mich kann jeder betrügen, betrüge mich nicht, mir ist lieber die
Wahrheit, und wenn sie auch schmerzt, als dass ich umgangen
