 auszustossen und die reine Frucht himmlischer Liebe, himmlischen Lichtes
zu nähren, zu gebären? - Hast Du's nicht vollbracht in mir, wenn es noch
leuchtet in meiner Seele? - Ja, es leuchtet, wenn ich Deiner gedenke; - oder
sind es nur Schalmeien sinnig und wähnend, nur an Phantasie streifend, nicht von
ihrer Offenbarung ergriffen, was ich diesen Blättern zu vertrauen habe? - Was es
auch sei! - Bis in den Tod geleite mich der ersten Liebe Musik. Zu Deinen Füßen
pflanze ich den Grundbass ein, er wachse Dir zum Palmenhain auf, in dessen
Schatten Du wandelst. Alles Liebe und Süße, was Du mir gesagt hast, flüstre von
Zweig zu Zweig wie leise Melodien zwitschernder Vögel; - die Küsse, die
Liebkosungen zwischen uns seien die honigtriefenden Früchte dieses Haines; das
Element meines Lebens aber: die Harmonie mit Dir, mit der Natur, mit Gott, aus
deren Schoss die Fülle der Erzeugung steigt, aufwärts ans Licht, ins Licht, im
Lichte vergehend: das sei der Strom, der gewaltige, der diesen Hain umzingelt,
ihn einsam macht mit mir und Dir.
    Weißt Du's noch, wie Du in der Dämmerung mich wieder bestelltest? - Du weißt
nichts, ich weiß alles, ich bin das Blatt, auf das die Erinnerung aller
Seligkeit geätzt ist. Ja ich ging um Dein Haus herum und wartete auf die
Dämmerung und dachte, wenn ich an die Pforte kam: »Ob's wohl schon dunkel genug
ist? - Und ob er dies wohl für die Dämmerung hält?« - Und aus Furcht, Deinen
Befehl zu verfehlen, ging ich noch einmal um das Haus, und wie ich nun eintrat,
da schmältest Du, dass ich zu spät gekommen, es sei schon lange dämmerig. Du
habest lange schon auf mich gewartet. Dann ließest Du Dir ein weißes wollnes
Gewand bringen und zogst das Tagskleid aus und sagtest: »Nun es gar Nacht
geworden über dem Harren auf dich, so wollen wir recht nächtlich und bequem sein
und recht feinwollig will ich gegen dich sein; denn du sollst mir heute
beichten.« Da kniete ich vor Dir auf dem Schemel und umfasste Dich und Du mich.
Da sagtest Du: »Vertrau mir doch und sag mir alles, was in deinem Herzen Gewalt
geübt hat, du weißt, ich hab dich nie verraten, kein Wort, kein Laut von dem,
was deine Leidenschaft zu mir gerast hat, ist je über meine Lippen gekommen, so
sag mir doch, denn es ist nicht möglich, dass dein Herz diese ganze Zeit über so
ruhig war, sag mir doch, wer war's, kenne ich ihn? - Und wie
