, dann denke, dass mein Genie Deinem Geist
gewachsen sein werde.
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                                  An Goete13
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Hier aus den Bergesschluchten hervor wag ich's und komme ungerufen, unerwartet,
wie manchmal sonst auf Deinen Wegen. Im Böhmer Gebirg, wo ich wie ein Stossvogel
auf dem vorragenden Gefels über Dir hing, weißt Du noch? - Und wie ich dann
niederkletterte ganz erhitzt, dass mir alle Adern im Kopf klopften, und wie Deine
Hand meine Augenwimper vom Staub reinigte, und Du die kleinen Reiser und Moose
aus meinen Flechten sammeltest und legtest es sanft neben Dich auf den Sitz? Du
weißt's nicht mehr. Scharen sind an Dir vorübergezogen, die Dich begrüßten mit
lautem Ehrenruf, Kränze haben sie vor Dir hergetragen, die Fahnen haben sie vor
Dir geschwenkt, die Könige kamen und berührten den Saum Deines Mantels und
brachten Dir goldne Gefäße und legten Ehrenketten um Deine freie Brust. Du
weißt's nicht mehr, dass ich Dir die gesammelten Blumen, die wilden Kräuter alle
in den Busen pflanzte und die Hand darauf legte, um sie fester zu drücken. Du
weißt's nicht mehr, dass meine Hand gefangen lag inmitten Deiner Brust, und dass
Du mich den wilden Hopfen nanntest, der Wurzel fasse da und dann hinauf sich
ranke und Dich überschlinge und umwachse, dass nichts mehr an Dir zu kennen sei
als bloß der wilde Hopfen. Sieh, in dieser Doppelwand von Fels- und
Bergesschluchten, da haust des Widerhalles froher Ruf; sieh, meine Brust ist
eine so kunstreich gebildete Doppelwand, dass ewig und ewig tausendfältig der
freudige Schall so süßer Märe sich durchkreuzt. Wo sollte es ein Ende nehmen,
dies Leben jugendlicher Lust? - Es liegt ja bewahrt und umgeben vom reinsten
Enthusiasmus - die Nahrung meiner Wiegezeit. Dein Hauch, dem der Gott
Unsterblichkeit einblies, hat ja mir den Atem der Begeisterung eingeblasen. Lasse
es Dir gefallen, dass ich Dir noch einmal die Melodien meiner schönsten
Lebenswege vorsinge und zwar im begeisterten Rhythmus des augenblicklichen
Genusses, wo die Lebensquellen von Geist und Sinne ineinanderströmen und so
einander erhöhen, dass alles Bedeutung gewinne, dass nicht allein das Erfahrne
sichtbar fühlbar werde, sondern auch das Unsichtbare, Ungehörte erkannt und
erhört werde.
    Sind's Pauken und Posaunen, die feierlichen Jubelschlag an die Wolken
dröhnen? - Sind's Harfen und Zimbeln? - Ist's das Gewirr von tausend
Instrumenten, das aufs Kommandowort sich ordnend löst, in reiner Linie Takt sich
bildend wendet, die Sprache himmlischer Influenzen redet, eindringt in den
Menschengeist mit Farb und Licht, die Sinne mit dem Geist vermählt? - Ist's
dieser Erzeugung Kraft, die durch die Adern rinnt, das Blut beschwörend, das
Irdische
