
neigt.
                                     * * *
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Hinab ins Tal, mit Rasen sanft begleitet,
Vom Weg durchzogen, der hinüber leitet,
Das weiße Haus inmitten aufgestellt,
Was ist's, worin sich hier der Sinn gefällt?
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen,
Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehen
Und Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt,
Nichts ist's, was mir den Blick gefesselt hält.
Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Und könnt ich Paradiese überschauen,
Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen,
Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt,
Denn der allein umgrenzet meine Welt.
Gereimt und ungereimt sag ich Dir dasselbe, und Du ermüdest nicht, mich
anzuhören. Ich sitze hier auf der Bank in der Dämmerung, wo der sinkende Tag vom
aufgehenden Mond noch das Licht borgt, und freue mich, meine Welt im Zwielicht
zu überschauen. Vor wenig Minuten lag alles noch im Sonnenglanz, da war ich
unruhig, ob ich bleiben oder gehen solle. Jetzt, seit der Mond gestiegen ist,
weiß ich, dass ich bleibe; in seinem Licht erkenn ich meine Welt, seine Strahlen
ziehen mich in ihren Zauberkreis, und was ich auch Unglaubliches für wahr halte,
das verneint er nicht wie das Sonnenlicht. Er schmiegt sich schmeichelnd in den
Schoss der Täler, und ich fühle deutlich, wie sie ihn liebt, die Natur, und wie
er ihr geneigt ist, der Mond.
    Wär ich Dir, was die ganze Natur dem Mond ist, der lebenerregend in ihren
Pulsen spielt, der leise Lüfte als Boten aussendet, der die samenbeflockten
Schwingen des Abendwindes niederbannt ins tauige Gras und seinem befruchtenden
Licht ihre Kraft aufregt: dann wär mein ganzes Sein ein Empfängnis Deiner
Schönheit. Soviel Blüten sich ihm erschließen, soviel Schmeichelreden Dir von
meinen Lippen fließen, soviel Tautropfen in seinem Licht glänzen, soviel Tränen
der Luft sich sammeln unter dem Einfluss Deines Geistes.
                                     * * *
Ich danke Dir, dass Du gekommen bist, es war so grau und trüb, ich sah mich in
der weiten Ferne um und dachte schon, es würde mich überkommen wie das Wetter,
wo sparsame Tränen aus den Wolken träufelten und der Himmel schwer und traurig
war und viel düsterer aussah, als wenn es noch so sehr geregnet hätte. - Da
kamst Du. - Du hast nichts gesagt vom Abschied und hast mich beschämt; denn ich
hatte es auf der Zunge zu klagen, ja, es war schöner so, dass wir nicht Abschied
nahmen; - wir beide nicht. - Wie hab ich diese Zeit verbracht? - Gar zu
glücklich! - Das Gefühl Deiner Nähe
