, in dessen Rinde Du manchen Namen eingeschnitten
hast, den hab ich verlassen und bin herabgegangen zur Haustür und hab die Stirne
auf das Schloss gelegt, das Deine Hand wie oft aufgedrückt, und hast mit Freunden
dagesessen und auch einsame Stunden verbracht. Du allein mit Deinem Genius
hast's nicht gefühlt, das Schauervolle der Einsamkeit, glorreich triumphierend
im Wettgefühl der Empfindung und Begeisterung gingen sie vorüber, diese stillen
Abende. O Goethe, was denkst Du von meiner Liebe? - Die so ewig an Dich
heranbraust wie die Flut ans Ufer, und möchte mit Dir sprechen und kann nichts
sagen als nur seufzen. Ja! Sage doch: was meinst Du, das diese Liebe will? - Ich
selber erstaune oft, wie erwachend aus dem Traum, dass dieser Traum herrsche über
mich. Aber bald beuge ich mich wieder unter das Schattendach seiner Wölbungen
und schmiege mich seinem Flüstern und lasse die Sinne bewältigen durch das
Flügelrauschen unbekannter Geister. - Göttlich will ich sein! Göttlich und groß
wie Du, frei über den Menschen nur in Deinem Lichte stehend, nur von Dir
verstanden. Pfeile will ich senden: Gedanken, Dich sollen sie treffen und keinen
andern, Du sollst ihre Schärfe prüfen, und in diesem heimlichen Verkehr sollen
meine Sinne gedeihen; sie sollen herzhaft sein, gesund, rasch, freudig, ewig
aufwärts, nicht sinkend die Lebensgeister, - ihrem Erzeuger zuströmend.
    Es ist Nacht, ich schreib beim Sternenlicht. - Weisheit ist wie ein Baum,
der seine Äste durch das ganze Firmament verbreitet, die goldnen Früchte, die
ihr Gezweig zieren, sind Sterne. Wenn nun eine Begierde sich regt, die die
Früchte vom Baum der Weisheit genießen möchte? Wie komme ich dazu, diese goldnen
Früchte zu erlangen? - »Die Sterne sind Welten«, sagt man: ist der Kuss nicht
auch eine Welt? - Und ist der Stern größer Deinem Auge als der Umfang eines
Kusses? - Und ist der Kuss geringer Deinem Gefühl als das Umfassen einer Welt? -
Drum: - die Weisheit ist Liebe! Und ihre Früchte sind Welten, und der täuscht
sich nicht, der im Kuss eine Welt empfindet; ihm ist eine reife Frucht, ein an
dem Lichte der Weisheit gereifter Stern in den Busen gesunken. - Der aber,
Freund, - der von solcher Himmelskost genährt wird, zählt er noch für vollgültig
unter den Menschen? -
    Ich gehe nun schlafen, die Stille der Nacht, die heimliche Zeit verwendet
Psyche, um zu Dir zu dringen. Oft führt sie der Traum zu Dir, sie findet Dich
vielleicht durchkreuzt von tausend Gedanken, deren keiner ihrer erwähnt. Doch
sie senkt die Flügel und küsst den Staub Deiner Füße, bis Dein Blick sich ihr
