
nach den eingeschnittenen Buchstaben. Ach, gute Nacht. -
    Stehle ich dem Schlaf noch länger die Träume, so werden meine Gedanken
Schäume.
                                     * * *
Da oben sah ich Dein Haus erleuchtet. Ich dachte: wenn Du bei diesem Licht
meiner harrtest, und ich käm herab den frischen Mondscheinweg mit so wohl
vorbereitetem Herzen, und ich träte ein bei Dir, wie freundlich Du mich
aufnehmen würdest. Bis ich herabkam, hatte mir meine Einbildungskraft
weisgemacht, es könne möglich sein, dass Du da seist, und obschon ich wusste, dass
dies Licht allein in meiner Kammer brenne, denn ich hatte es ja selber
angezündet, so öffnete ich doch mit Zagen die Tür; und wie ich diese stille
Einsamkeit gewahrte, auf dem Tisch die getrockneten Pflanzen, und an den Wänden
die Steine und die Muscheln, und die Schmetterlinge, und das erhabene Dunkel,
was mit den Strahlen der Lampe spielte; und wie ich da eintrat, da blieb ich am
Türpfosten angelehnt stehen und holte erst Atem.
    Und nun lieg ich in diesem Bettchen zum Schlafen, es ist hart, das Bett, ein
einziger Strohsack und eine wollne Decke drüber, und zum Zudecken eine graue
Decke mit bunten Blumen, und kein Mensch weiß, dass ich die Nacht hier zubringe,
als nur Du.
    Irdische Jugend ist bewusstlos, sie steigt aus ihrer Knospe, ihre Entfaltung
ist ihr Ziel. Bewusstsein der Jugend ist schon übersinnliche Jugend.
    In Dir bin ich meiner Jugend bewusst. Ich sehe sie alle, die goldnen Tage,
die ich in Dir verlebte, gekrönt ein jeder mit wunderbaren Blüten. Stolz erhaben
einherschreitend feurigen raschen Geistes; unberührt, keusch, vor der Gemeinheit
sich flüchtend in höhere Regionen; ein milder Schimmer durchglänzt sie, es ist
der Abendschein Deines Lebens. Ach, und der heutige Tag ist auch ein solcher, er
schließt sich an die Reihe der verflossenen an, majestätisch, triumphierend;
obzwar ich allein bin hier im verlassenen Haus, ohne Einrichtung, mich zu
empfangen, hier sind noch die Spuren des vergangenen Winters.
    Der Geist taucht unter in der Jugend als in einem Meer. Jugend wird sein
Element, in ihm wird der Geist zur Liebe. Jugend bereitet den Geist vor zur
Ewigkeit, die ewige Jugend ist.
    Ich glaub an Deine Gegenwart in diesem einsamen Gemach, ich glaub, dass Du
mich hörst, mich empfindest; ich spreche mit Dir. Du fragst, ich antworte Dir.
    Jeder strebt nach Jugend, weil das Bedürfnis des Geistes Entwicklung in der
Liebe ist.
    Nachdem ich schon ein Weilchen geschlafen habe:
    Nichts ist dem Genius neu, alles ist ihm Element. In der Liebe ist einer dem
andern Genius und wird einer dem andern Element.
    Du bist mir
