 Licht wie der Same, der in der Erde verborgen war. -
Warum verbirgt die Natur den Samen im Schoss der Erde, eh sie sein Leben ans
Licht entlässt? - Auch das Leben liegt im geheimen Schoss des Geistes verborgen,
ehe es als Liebe ans Licht dringt. - Der Boden, aus dem die Liebe entsteigt, ist
Geheimnis.
    Geheimnis ist Instinkt der Phantasie; wessen Geist diesen Instinkt hat, der
hat den befruchtenden Boden für den Samen der Liebe. - Phantasie ist die freie
Kunst der Wahrheit.
    Und hier wär ein Gewaltiges mitzuteilen, wenn die Müdigkeit mich nicht
überwältigte; es muss mir genügen, dass ich's empfinde, wie die Phantasie die
Vermittlerin ist zwischen der himmlischen Weisheit und dem irdischen Geist.
    Jeder Gedanke hat Flügel und fliegt zu dem, der ihn eingibt; jeder Atemzug
ein Gedanke, der zum Geliebten fliegt, nur was liebt, ist Gedanke und fliegt. -
Ja, Gedanken sind geistige Vögel.
    Wenn ich nicht im Bett wär, so schrieb ich noch mehr, aber so zieht mich das
Kopfkissen nieder.
    In Deinem Garten ist's so schön! Alle meine Gedanken sind Bienen, sie kommen
aus Deinem duftenden Garten zum Fenster hereingeflogen, das ich mir geöffnet
habe, und setzen da ihren Honig ab, den sie in Deinem blütenreichen Garten
gesammelt haben. - Und so spät es ist, nach Mitternacht schon, so kommen sie
doch noch einzeln und umsummen mich und wecken mich aus dem Schlaf; und die
Bienen Deines Gartens und die Bienen Deines Geistes summen untereinander.
    Liebe ist Erkenntnis, Schönheit ist das Geheimnis ihrer Erkenntnis, und so
tief ist dies Geheimnis, dass es sich keinem mitteilt als nur dem Liebenden.
Glaub's nur! Keiner besitzt das Geheimnis von Dir, wie ich es besitze, das
heißt: keiner liebt Dich, wie ich Dich liebe.
    Wieder ein Bienchen! - Deine Schönheit ist Dein Leben - es wollte noch mehr
summen, aber der Wind jagte es wieder zum Fenster hinaus. - Dass ich in Deinem
Garten schlafe eine Nacht, das ist wohl ein groß Ereignis. - Du hast oft hier
herrliche Stunden verlebt, allein und mit Freunden; und nun bin ich allein hier
und denke dem allen nach und seh im Geist dem allen zu. Ach, und wie ich heute,
eh ich ins stille verlassene Haus eintrat, noch den Berg hinaufging zum obersten
Baum, der so mit mannigfachem Grün umwachsen ist, das all von Deiner Hand
geleitet wurde, der seine Äste schützend über den Stein verbreitet, in den die
Weihe der Erinnerung eingegraben ist! - Dort oben stand ich ganz allein, ein
wenig Mondlicht stahl sich durch den Baum, ich fühlte an der Rinde des Baumes
