 Deine Gegenwart aufnahm, zu
verweilen, sie war mein Element; ich bin oft aus ihm verdrängt worden, immer
durch eigene Schuld. Die ganze Aufgabe des Lebens ist ja das Beharren in ihm,
und die Sünde ist das, was uns daraus verdrängt.
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So erlangen wir Seligkeit, wenn wir auf dem Weg uns zu erhalten wissen, auf dem
wir sie ahnen. Nie hatte ich eine bestimmtere Überzeugung von ihr, als wenn ich
glaubte, von Dir geliebt zu sein. Und was ist sie denn, diese Seligkeit? - Du
bist fern, wenn Du Dich der Geliebten erinnerst, so schmilzt Deine Seele in
diese Erinnerung ein und berührt so liebend die Geliebte, wie die Sonnenstrahlen
wärmend den Fluss berühren; wie die leisen Frühlingslüfte, die den Duft und den
Blütenstaub zu dem Fluss tragen, der diese schönen Geschenke des Frühlings mit
seinen Wellen vermischt. Wenn alles Wirken in der Natur sich geistig in sich
selbst fühlt, so empfindet der Fluss diese liebkosenden Berührungen als ein
innerlichstes Wesentlichstes. - Warum sollte ich dies bezweifeln? - Warum
empfinden wir die Entzückungen des Frühlings, als nur weil er den Rhythmus
angibt, mit dem der Geist sich aufzuschwingen vermag? - Also, wenn Du meiner
gedenkst, so gibst Du den Rhythmus an, mit dem meine Begeisterung sich zu dem
Begriff von Seligkeit aufzuschwingen vermag.
    Ach, ich fühl's! Mich durchzücken leise Schauer, dass Du meiner gedenken
solltest in der Ferne, dass das Behagen, die Lust Deiner Tage einen Augenblick
erhöht wird durch meine Liebe. Sieh, so schön ist das Geweb meiner innern
Gedankenwelt, wer möchte es zerstören! Musik! Jeder Ton in ihr ist wesentlich,
ist der Keim einer Modulation, in die die ganze Seele sich fügt, und so
verschieden, so in sich abgeschlossen die melodischen Formen sind, in die diese
Gedankenwelt sich ergießt: so umfasst sie doch und vernimmt die Harmonie, wie der
Ozean alle Strömungen in sich aufnimmt.
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So gehört denn auch zu unserm vögelsingenden, blüteschneienden Frühling, wo der
Fluss zwischen duftenden Kräutern tanzt und ein Herz im andern lebt, jener kalte,
vom Wind und Schnee durchkreuzte Winter, wo die eisige Luft mir den Atem an den
Haaren zu Reif ansetzte, wo ich so wenig wusste, was mich in den Wintersturm
hinausjagte, als wo der Wind herkam, und wo er hineilte. Ach, Herz und Sturmwind
eilten der Gegenwart zuvor in die Zukunft, also Dir entgegen. - Darum riss es
mich so unwiderstehlich aus dem stummen Dasein dem schönen Augenblick entgegen,
der mein Leben in allen seinen Aspirationen entwickeln und in Musik auflösen
sollte.
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Es kann dem Winter nichts ungleicher sein als der Frühling, der
