 vorüber, und die Nachtigall schweigt, sie schweigt, sie ist
stumm und lässt sich auch nicht mehr sehen. Ich lebte da ohne Zerstreuung die
Tage hindurch; ihre Nähe war mir eine liebe Gewohnheit, es schmerzt mich, sie zu
entbehren, hätte ich doch etwas, was sie mir ersetzt! Vielleicht ein ander Tier,
- an die Menschen dachte ich nicht, im Nachbargarten ist ein Reh in einer
Umzäunung, es läuft hin und her an der Bretterwand und seufzt, ich mache ihm
eine Öffnung, wo es den Kopf durchstecken kann. Der Winter hat alles mit Schnee
bedeckt, ich suche ihm Moos von den Bäumen: wir kennen uns, wie schön sind seine
Augen; welche tiefe Seele sieht mich aus diesen an, wie wahr, wie warm! Es legt
gern den Kopf in meine Hand und sieht mich an, ich bin ihm auch gut, ich komme,
sooft es mich ruft; in den kalten hellen Mondnächten hör ich seine Stimme, ich
springe aus dem Bett, mit bloßen Füßen lauf ich durch den Schnee, um dich zu
beschwichtigen. Dann bist du ruhig, wenn du mich gesehen hast, wunderbares Tier,
das mich ansieht, anschreit, als wenn es um Erlösung bäte. Welch festes
Vertrauen hat es auf mich, die ich nicht seinesgleichen bin! Armes Tier, du und
ich sind getrennt von unsersgleichen, wir sind beide einsam, und wir teilen dies
Gefühl der Einsamkeit; o wie oft hab ich für dich in den Wald gedacht, wo du
lang auslaufen konntest, und nicht ewig in die Runde, wie hier in deinem
Verschlag; dort liefst du doch deines Weges immerzu und konntest mit jedem
Schritte hoffen, endlich einen Gefährten zu treffen, hier aber war deines Ziels
kein Ende, und doch war alle Hoffnung abgeschnitten. Armes Tier! Wie schaudert
mich dein Geschick, und wie nah verwandt mag es dem meinen sein! Ich auch lauf
in die Runde, da oben seh ich die Sterne schimmern, aber sie halten alle fest,
keiner senkt sich herab, und von hier aus ist es so weit bis zu ihnen, und was
sich lieben lassen will, das soll mir nah kommen; aber so war's mir in der Wiege
gesungen, dass ich musste einen Stern lieben, und der Stern blieb mir fern; lange
Zeit hab ich nach ihm gestrebt, und meine Sinne waren aufgegangen in diesem
Streben, so dass ich nichts sah, nichts hörte und auch nichts dachte als nur
meinen Stern, der sich nicht vom Firmament losreißen werde, um sich mir zu
neigen. - Mir träumt, der Stern senkt sich tiefer und tiefer, schon kann ich
sein Antlitz erkennen, sein Strahlen wird zum Auge, es
