
in diesem Lichte schwimmt.
    Der reine Geist bildet sich einen reinen Leib im Wort, das ist die Schönheit
der Poesie. Dein Wort ist schön, weil der Geist, den es beherbergt, hindurch
dringt und es umströmt.
    Schönheit vergeht nicht! der Sinn, der sie in sich aufnimmt, hat sie ewig,
und sie vergeht ihm nicht.
    Nicht das Bild, das sie spiegelt, nicht die Form, die ihren Geist
ausspricht, hat die Schönheit: nur der hat sie, der in diesem Spiegel den eignen
Geist ahnt und ersehnt.
    Schönheit bildet sich in dem, der sie sucht und im Bild wiederzugeben sucht,
und in dem, der sie erkennt und sich ihr gleichzubilden sehnt.
    Jeder echte Mensch ist Künstler, er sucht die Schönheit und sucht sie
wiederzugeben, soweit er sie zu fassen vermag. Jeder echte Mensch bedarf der
Schönheit als der einzigen Nahrung des Geistes.
    Die Kunst ist der Spiegel der innersten Seele, ihr Bild ist es, wie sie aus
Gott hervorging, was die Kunst Dir spiegelt. Alle Schönheit ist eine Erkenntnis
Deiner eignen Schönheit.
    Die Kunst ist es, die Dir ein sinnliches Ebenmass des Geistes vor die
leiblichen Augen zaubert.
    Jeder Lebenstrieb ist Schönheitstrieb, sieh die Pflanze, ihre Triebe alle
sind erfüllt mit der Sehnsucht zu blühen, und die Befriedigung dieser Sehnsucht
lag schon im Samenkorn vorbereitet; also ist wohl Sehnsucht die sicherste
Gewährleistung. Wer sich nach ewiger Schönheit sehnt, der wird sie haben und
genießen.
    Alles, was ich hier sage, schriebst Du mir ins Herz; wenn ich's noch nicht
mit rechter Freiheit ausspreche? - Weil ich's nicht ganz zu fassen vermag.
Gestern abend, da streifte Dein Aug über die fernen Gebirge, und da sagtest Du:
»Die Leidenschaft, die ins Herz geboren ist, soll auch wachsen und gedeihen,
denn es ist keine Begierde, der nicht das Göttliche gegenüberstände, um sie
selig zu machen.«
    Sie haben mich eingeführt in ihren Tempel, die Genien, und hier stehe ich
verzagt, aber nicht fremd, diese Lehren sind mir verständlich, diese Gesetze
geben mir Weisheit, das Trachten der Liebe ist nicht Trachten vergänglicher
Menschen. Alle Blumen, die wir brechen, werden unsterblich im Opfer, - ein
liebend Herz entschwingt sich feindseligem Los.
                                     * * *
Ich soll Dir erzählen von den Zeiten, wo ich Deinen Namen noch nicht hatte
nennen lernen? Gewiss, Du hast recht, wissen zu wollen, was mich auf Dich
vorbereitete, ich sagte Dir, dass Blumen und Kräuter zuerst mich ansahen, dass ich
erkannte, im Blick sei eine Frage, eine Forderung, die ich nur mit zärtlichen
Tränen beantworten konnte, dann lockte mich die Nachtigall, ihr
