 winkt und der von Violen geflochtene
Kranz. O Liebster! - dann steh ich schweigend vor Dir, und der Duft der Blumen
wird für mich sprechen bei Dir.
                                     * * *
Ich bin freudig wie der Delphin, der auf weitruhendem Meeresplan ferne Flöten
vernimmt; er jagt mutwillig die Wasser in die glänzende Stille der Luftöhen,
dass sie auf der glatten Spiegelfläche einen Perlenrausch verbreiten; jede Perle
spiegelt das Universum und zerfliesst, so jeder Gedanke spiegelt die ewige
Weisheit und zerfliesst.
    Deine Hand lehnte an meiner Wange, und Deine Lippe ruhte auf meiner Stirn,
und es war so still, dass Dein Atem verhauchte wie Geisteratem. Sonst eilt die
Zeit den Glücklichen, aber diesmal jagte die Zeit nicht; eine Ewigkeit, die nie
endet, ist diese Zeit, die so kurz war, so in sich, dass ihr kein Maß kann
angelegt werden.
    An milden Frühlingstagen, wo dünnes Gewölk der jungen Saat den
fruchtbringenden Regen spendet, da ist es so wie jetzt in meiner Brust; mir
ahnt, wie dem kaum gewurzelten Keim seine künftige Blüte ahnt, dass Liebe
ewige, einzige Zukunft sei.
    Gut sein begnügt die Seele, wie das Wiegenlied die Kinderseele zum Schlaf
befriedigt. Gut sein ist die heilige Ruhe, die der Same des Geistes haben muss,
eh er wieder gezeitigt ist zur Saat. - Der Geist aber ahnt, dass Gutsein die
Vorbereitung zu einem tiefen unerforschlichen Geheimnis ist. Das hast Du mir
anvertraut, Goethe! - gestern abend beim Sternenhimmel am offenen Fenster, wo ein
Lüftchen nach dem andern hereinschwirrte und wieder hinaus. - Wenn also die
Seele gut ist: das ist eine Ruhe, ein Einschlafen im Schoss Gottes, wie der Same
im Schoss der Natur schläft, eh er keimt. Wenn aber der Geist das Gute will, so
will er die Gottheit selbst; so will er jenes Geheimnis der Güte als Speise,
Nahrung und Vorbereitung seiner nahen Verwandlung; so pocht er an, wie der
verborgne Strom im Felsenschoss, dass er ans Licht will. Solchen kühnen Mut hat
Dein Geist, dass seinem Dringen Tor und Riegel aufgetan wurden, und dass er
hervorbrausen durfte, über alle Zeiten hinweg, wo Geist in Geist greift, Well in
Well geboren, Well in Well verloren.
    Solcherlei Gespräche führten wir gestern abend, und Du sagtest noch: »Kein
Mensch würde glauben, dass wir beide so miteinander sprechen.«
    Wir sprachen auch von der Schönheit: Schönheit ist, wenn der Leib von dem
Geist, den er beherbergt, ganz durchdrungen ist. Wenn das Licht des Geistes von
dem Leib, den er durchdringt, ausströmt und seine Formen umkreist, das ist
Schönheit. Dein Blick ist schön, weil er das Licht Deines Geistes ausströmt und
