
Blüten an, und ich mischte meine Tränen mit dem Honig in ihren Kelchen. Ja,
glaub's, es war mir ein besonderer Reiz, die Träne, die unwillkürlich mir ins
Auge gedrungen, da hinein zu betten, so wechselte die Lust mit der Wehmut. Die
jungen Feigenblätter, wie sie zuerst so rein und dicht gefaltet aus dem Keim
hervorsteigen und vor der Sonne sich ausbreiten: Ach Gott! Du! warum schmerzt
die Schönheit der Natur? nicht wahr, weil die Liebe sich untüchtig fühlt, sie
ganz zu umfassen, so ist die glücklichste Liebe von Wehmut durchdrungen, weil
sie ihrer eignen Sehnsucht kein Genüge tun kann, so macht mich Deine Schönheit
wehmütig, weil ich Dich nicht genug lieben kann. - O verlasse mich nicht, sei
mir nur so weit willig gesinnt, wie der Tau den Blumen gesinnt ist; morgens
weckt er sie und nährt sie, und abends reinigt er sie vom Staub und kühlt sie
von der Hitze des Tages. So mache Du es auch, wecke und nähre meine Begeisterung
in der Frühe, kühle meine Glut und reinige mich von Sünden am Abend.
                                     * * *
Hast Du mich lieb? - Ach! ein Herabneigen Deines Angesichts auf mich wie die
wogenden Zweige der Birke, - wie schön wär das! - oder auch, dass Du mich
anhauchtest im Schlaf, wie der Nachtwind über die Fluren hinstreift; mehr nicht,
mein Freund, verlang ich von Dir - dass der Atem des Geliebten Dich berührt,
welche Seligkeit kannst Du dieser gleichstellen? -
    So hell und deutlich hab ich damals nicht gefühlt, wie ich heut in der
Erinnerung fühle, ich war so unmündig wie die junge Saat, aber ich wurde vom
Lichte genährt und dem Selbstbewusstsein entgegengeführt, wie jene, wenn sie
durch die Ähre ihrer selbst gewiss wird; und heute bin ich reif, und streue die
goldnen Fruchtkörner der Liebe zu Deinen Füßen aus, mehr nicht besagt mein
Leben.
                                     * * *
Die Nachtigall war anders gegen mich gesinnt wie Du, sie stieg herab von Ast zu
Ast und kam immer näher, sie hing sich an den äußersten Zweig, um mich zu sehen,
ich wendete leise mich zu ihr, um sie nicht zu scheuchen, und siehe da! Aug in
Nachtigallenaug, wir blickten uns an und hielten's aus. Dazu trugen die Winde
die Töne einer fernen Musik herüber, deren allumfassende Harmonie wie ein in
sich abgeschlossenes Geisteruniversum erklang, wo jeder Geist alle Geister
durchdringt, und alle jedem sich fügen; vollkommen schön war dies Ereignis, dies
erste Annähern zweier gleich unbewussten, unschuldigen Naturen, die noch nicht
erfahren hatten, dass aus Liebesdurst, aus Liebeslust das Herz im Busen stärker
und stärker klopft. Gewiss
