 einsam, weil ihn nur ein einziges belebt, das ist die Liebe.
Die Liebe ist das All. Der Geist ist einsam, weil die Liebe alles allein ist.
Die Liebe ist nur für den, der ganz in ihr ist. Liebe und Geist schauen sich
einander an, denn sie sind in sich allein und können nur sich sehen.
    Ich war auch einsam damals in der Kindheit, die Sterne äugelten mich an, ich
begriff sie, die Liebe spricht durch sie.
    Die Natur ist die Sprache der Liebe, die Liebe spricht zur Kindheit durch
die Natur. Der Geist ist Kind hier auf Erden, drum hat die Liebe die süße,
selige, kindliche Natur als Sprache für den Geist geschaffen.
    Wär der Geist selbständig, vielleicht führte die Liebe eine andre Sprache. -
Die Natur lenkt und reicht dar, was der Geist bedarf; sie lehrt, sie erzählt,
sie erfindet, sie tröstet, sie beschützt und vertritt seine Unmündigkeit,
vielleicht wenn sie den Geist aus der Kindheit herausgeleitet hat, lenkt sie ihn
nicht mehr, sie lässt ihn dann selbständig walten, vielleicht ist das jenseitige
Leben der Frühling des Geistes, so wie dieses seine Kindheit ist. Denn wir
sehnen uns ja nach dem Frühling, nach der Jugend bis zum letzten Augenblick, und
dieses Erdenleben ist nur ein Vorbilden für das Jugendleben des Geistes, sie
entlässt ihn aus der Kindheit, wie das Samenkorn den Keim entlässt ins Äterleben.
    Blühen ist Geist, es ist Schönheit, es ist Kunst, und sein Duftausströmen
ist abermals Streben in ein höheres Element.
                                     * * *
Komm mit, Freund! Scheue nicht den feuchten Abendtau, ich bin ein Kind, und Du
bist ein Kind, wir liegen gern unter freiem Himmel und sehen den gemächlichen
Zug der Abendwolken, die im purpurnen Gewand dahin schwimmen. O komme! - Kein
seligerer Traum, kein beglückenderes Ereignis als Ruhe! Stille Ruhe im Dasein;
beglückt, dass es so ist, und kein Wähnen, es könne anders sein, oder es müsse
anders kommen. Nein! Nicht im Paradies wird es schöner sein, als diese Ruhe ist,
die keine Rechenschaft gibt, kein Überschauen des Genusses, weil jeder
Augenblick ganz selig ist. Solche Minuten erleb ich mit Dir, nur weil ich Dich
denke an meiner Seite in jenen Kinderjahren; da sind wir eines Sinnes, was ich
erlebe, spiegelt sich in Dir, und ich lerne es in Dir begreifen, und was erlebte
ich, wenn ich's nicht in Dir anschaute? - In was empfindet sich der Geist, durch
was besitzt er sich, als nur dadurch, dass er die Liebe hat? - Ich habe Dich,
Freund! Du wandelst mit mir, Du
