 herab mit stillem Entzücken betrachtete, die Schalmei des
Schäfers, der in Mondnächten seine Schafe von Triften zu Triften leitete, das
Bellen des Hundes in der Ferne, die jagenden Wolken, die aufseufzenden
Abendwinde, das Rauschen des Flusses, das sanfte Anklatschen der Wellen am
steinigen Ufer, das Einschlafen der Pflanzen, ihr Einsaugen des Morgenlichtes,
das Kämpfen und Spielen der Nebel, - o sag, welcher Geist hat mir das geistig
noch einmal geboten? - Du? - Hast Du Dich so traulich an mich geschmiegt wie die
Abendschatten? Hat Deine Stimme wehmütig freundlich in mich eingedrungen wie
jene ferne Rohrpfeife? Hat der Hund mir angeschlagen, es nahe sich einer auf
heimlicher Fährte, dem mein Herz entgegenschlägt? Und habe ich nach glücklichen
Stunden wie jene schlaftrunkne Natur mit dem Bewusstsein befriedigter Sehnsucht,
mich der Ruhe hingegeben? Nein! Nur in dem Spiegel der Natur hab ich's erfahren
und die Bilder einer höheren Welterscheinung gesehen. So nimm denn jene
Mitteilungen als Ereignisse hohen Genusses und reizender Liebesbegebenheiten
auf; was hab ich alles durch sie ahnen und begreifen gelernt! Und was können wir
mehr vom Leben fordern, was kann es Besseres in uns vorbereiten als die
Befähigung zur Seligkeit! Wenn also Sinne und Geist so bewegt war durch das
Regen in der Natur, wenn die Begierde gespannt war durch ihr Schmachten, wenn
ihr Dursten, ihr Trinken, ihr Brennen und Verzehren, ihr Erzeugen und Ausbrüten
das Herz durchströmte, sag, was hätte ich da nicht erfahren im Liebesglück; und
welche Blume würde mir im Paradies nicht duften und welche Frucht mir nicht
reifen?
    Darum nimm sie auf, diese Hieroglyphen höherer Seligkeit, wie sie mein
Gedächtnis nacheinander aufzeichnet. O sieh doch, das Buch der Erinnerung
blättert sich ja grade in Deiner Gegenwart an diesen merkwürdigen Stellen auf;
Du! - Du wirst mir vielleicht im Paradiese die Äpfel vom unverbotenen Baum
pflücken; an Deiner Brust werde ich dort aufwachen, und die Melodien einer
beseligenden Schöpfung werden meine Lust in Deinen Busen hauchen.
                                     * * *
Eins bewahr im Herzen: dass Du mir den reinsten Eindruck von Schönheit gemacht
hast, dem ich unmittelbar gehuldigt habe, und dass nichts dem Ursprünglichen in
Deiner Natur Eintrag tun könne, und dass meine Liebe innig mit diesem
einverstanden ist.
                                     * * *
Nur so weit geht die Höhe der Seligkeit, als sie begriffen wird; was der Geist
nicht umfasst, das macht ihn nicht glücklich, vergebens würden Cherubim und
Seraphim ihn auf ihren Schwingen höher tragen; er vermöchte nie sich da zu
erhalten.
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Ahnungen sind Regungen, die Flügel des Geistes höher zu heben; Sehnsucht ist ein
Beweis, dass der Geist eine höhere Seligkeit sucht; Geist ist nicht allein
Fassungsgabe, sondern auch Gefühl
