 da saß ich und sah die Bienen von ihren
Streifzügen heimkehren, ich sah, wie sie sich im Blumenstaub wälzten und wie sie
weiter und weiter flogen in die ungemessene Ferne, wie sie im blauen
sonnedurchglänzten Äther verschwebten, und da ging mir mitten in diesen
Anwandlungen von Melancholie auch die Ahnung von ungemessenem Glück auf.
    Ja die Wehmut ist der Spiegel des Glücks; Du fühlst, Du siehst in ihr
ausgesprochen ein Glück, nach dem sie sich sehnt. Ach und im Glück wieder durch
allen Glanz der Freude durchschimmernd diese schmerzliche Wollust. Ja das Glück
ist auch der Spiegel dieser aus unergründlichen Tiefen aufsteigenden Wehmut. Und
jetzt noch in der Erinnerung, wie in den Kindertagen, füllt sich meine Seele mit
jener Stimmung, die leise mit der Dämmerung hereinbrach und dann wieder nachgab,
wenn das Sonnenlicht mit dem Sternenlicht gewechselt hatte und der Abendtau
meine Haare losringelte. Die kalte Nachtluft stählte mich, ich buhlte, ich
neckte mich mit den tausend Augen der Finsternis, die aus jedem Busch mir
entgegen blitzten. Ich kletterte auf die Kastanienbäume, legte mich so schlank
und elastisch auf ihre Äste; wenn dann der Wind durchschwirrte und jedes Blatt
mich anflüsterte, da war's, als redete sie meine Sprache. Am hohen
Traubengeländer, das sich an die Kirchenmauer anlehnte, stieg ich hinauf und
hörte die Schwalben in ihrem Nestchen plaudern; halb träumend zwitschern sie
zwei -, dreisilbige Töne, und aus tiefer Ruhe seufzt die kleine Brust einen
süßen Wohllaut der Befriedigung.
    Lauter Liebesglück, lauter Behagen, dass ihr Bettchen von befreundeter Wärme
durchströmt ist.
    O Weh über mich, dass mir im Herzen so unendlich weh ist, bloß weil ich dies
Leben der Natur mit angeschaut hab in meinen Kindertagen; diese tausendfältigen
Liebesseufzer, die die Sommernacht durchstöhnen, und inmitten dieser ein
einsames Kind, einsam bis ins innerste Mark, das da lauscht ihren Seligkeiten,
ihrer Inbrunst, das in dem Kelch der Blumen nach ihren Geheimnissen forscht, das
ihren Duft in sich saugt wie eine Lehre der Weisheit, das erst über die Traube
den Segen spricht, ehe es sie genießt.
    Aber da war ein hoher Baum mit feinen phantastischen Zweigen, breiten
Sammetblättern, die sich wie ein Laubdach ausdehnten; oft lag ich in seiner
kühlen Umwölbung und sah hinauf, wie das Licht durch ihn äugelte, und da lag ich
mit freier Brust in tiefem Schlaf; ja mir träumte von süßen Gaben der Liebe,
gewiss, sonst hätte ich den Baum nicht sogleich verstanden, da ich erwachte, weil
eben die reife Frucht sich von seinen Zweigen gelöst hatte und im Fallen auf
meine Brust ihr Saft mich netzte; dies schöne dunkle überreife Blut der
Maulbeere, ich kannte sie nicht, ich hatte sie nie gesehen, aber mit
