 seinen Liedern klingt die göttliche Lust, sich in
allem zu empfinden, alle Geheimnisse in sich aufzunehmen, sich in ihnen
verständlich zu werden.
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Wenn der Same in die Erde kommt, wird er lebendig, und dies Leben strebt in ein
neues Reich, in die Luft. Wenn der Same nicht schon Leben in sich hätte, könnte
es nicht in ihm erweckt werden, es ist Leben, was ins Leben übergeht. - Wenn der
Mensch nicht schon Seligkeit in sich hätte, könnte er nicht selig werden. Der
Keim zum Himmel liegt in der Brust wie der Keim zur Blüte im verschlossnen Samen
liegt. - Die Seligkeit ist so gut ein Erblühen in einem höheren Element wie jene
Pflanze, die aus dem Samen durch die Erde in ein höheres Element, in die Luft
geboren wird. Alles Leben wird durch ein höheres Element genährt, und wo es ihm
entzogen ist, da stirbt es ab.
    Erkenntnis, Offenbarung ist Samen eines höheren Lebens, das irdische Leben
ist der Boden, in dem er eingestreut ist, im Sterben bricht die ganze Saat ans
Licht. Wachsen, blühen, Früchte tragen von dem Samen, den der Geist hier in uns
gelegt hat, das ist das Leben nach dem Tod.
    Du bist der Äther meiner Gedanken, sie schweben durch Dich hin und werden
von Dir im Flug getragen wie die Vögel in der Luft.
    An Dich denken, im Bewusstsein von Dir verweilen, das ist ein Ausruhen vom
Flug, wie der Vogel ausruht im Nest.
    Geist im Geist ist unendlich, aber Geist in den Sinnen, im Gefühl ist
Unendliches im Endlichen erfasst.
    Meine Gedanken umschwärmen Dich wie die Bienen den blühenden Baum. Sie
berühren tausend Blüten und verlassen eine, um die andre zu besuchen, jede ist
ihnen neu; so wiederholt sich auch die Liebe, und jede Wiederholung ist ihr neu.
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Liebe ist immerdar erstgeboren, sie ist ewig ein einziger Moment, Zeit ist ihr
nichts, sie ist nicht in der Zeit, da sie ewig ist; sie ist kurz, die Liebe.
    Ewigkeit ist eine himmlische Kürze.
    Nichts Himmlisches geht vorüber, aber das Zeitliche geht vorüber am
Himmlischen.
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Hier auf dem Tisch liegen Trauben im Duft und Pfirsich im Pelz und buntgemalte
Nelken; die Rose liegt vorne und fängt den einzigen Sonnenstrahl auf, der durch
die verschlossenen Fensterladen dringt. Wie glüht die Rose! Psyche nenne ich
sie; - wie lockt das glühende Rot den Strahl in den innersten Kelch! Wie duftet
sie; - hier lobt das Werk den Meister.
    Rose, wie lobst du das Licht! - Wie Psyche den Eros lobt. - Unendlich schön
ist Eros, und seine Schönheit durchleuchtet Psyche wie
