 ihn die Liebe, und wenn sie ihn erfasst, dann geht sie in
ihm auf. Das ist meine List, dass die Liebe dem Geist nachgeht.
    Dir geh ich nach auf einsamen Wegen, wenn's still und ruhig ist, dann
lispelt jedes Blatt von Dir, das vom Wind gehoben wird, da lasse ich meine
Gedanken still stehen und lausche, da breiten sich die Sinne aus wie ein Netz,
um Dich zu fangen, es ist nicht der große Dichter, nicht Dein weltgepriesener
Ruhm! In Deinen Augen liegt's, in dem nachlässigen und feierlichen Bewegen
Deiner Glieder, in den Schwingungen Deiner Stimme, in diesem Schweigen und
Harren, bis die Sprache aus der Tiefe Deines Herzens sich zum Wort entfaltet;
wie Du gehst und kommst und Deinen Blick über alles schweifen lässt, dies ist es
und nichts anders, was mich erfreut, und keine glänzende Eigenschaft kann diese
Leidenschaft erregenden Zeichen überwiegen.
    Da streif ich hin zwischen Hecken, ich dräng mich durch's Gebüsch, die Sonne
brennt, ich leg mich ins Gras, ich bin nicht müde, aber weil meine Welt eine
Traumwelt ist. Es zieht mich hinüber nur Augenblicke, es hebt mich zu Dir, den
ich nicht mit Menschen vergleiche. - Mit den Streiflichtern und ihren blauen
Schatten, mit den Nebelwolken, die am Berg hinziehen, mit dem Vögelgeräusch im
Wald, mit den Wassern, die zwischen Gestein plätschern, mit dem Wind, der dem
Sonnenlicht die belaubten Äste zuwiegt; mit diesem vergleich ich Dich gern, da
ist's, als wenn Deine Laune hervorbräche! - Das Summen der Bienen, das Schwärmen
der Käfer trägt mir Deine Nähe zu, ja selbst das ferne Gebell der Hunde im
Nachtwind weckt mir Ahnungen von Dir; wenn die Wolken mit dem Mond spielen, wenn
sie im Licht schwimmen, verklärt: da ist alles Geist, und er ist deutlich aus
Deiner Brust gehaucht; da ist's, als wendest Du Geist Dich mir entgegen und
wärst zufrieden, von dem Atem der Liebe wie auf Wellen getragen zu sein.
    Sieh! So lieb ich die Natur, weil ich Dich liebe, so ruh ich gern in ihr aus
und versenk mich in sie, weil ich gern in Dein Andenken mich versenke.
    Ach, da Du nirgends bist und doch da bist, weil ich Dich mehr empfinde als
alles andere, so bist Du gewiss in diesem tausendfachen Echo meines Gefühls.
                                     * * *
Ich weiß einen! Wie mit Kindeslächeln hat er sich mit der Weisheit, mit der
Wissenschaft befreundet. Das Leben der Natur ist ihm Tempel und Religion; alles
in ihr ist ihm Geisterblick, Weissagung, ein jeder Gegenstand in ihr ward ihm
zum eigentümlichen Du, in
