 denke und fühle, und ich möchte gern;
aber Liebster, die wunderlichen Wege, die mit dämmernder Fackel der Verstand
kaum beleuchtet, wie soll ich die Dir beschreiben? - Diese Träume meines Glückes
(denn glücklich träum ich mich), sie sind so stürmisch, so wunderlich gelaunt,
es ist so unscheinbar, was ich mir manchmal ersinne.
    Mein Glück, wie ich's mir denke, wie soll ich Dir's beschreiben? Sieh die
Mondsichel am wolkenlosen Himmel und die breitästige, reich belaubte Linde;
denke! Sieh unter ihrem flüsternden Laub, die flüsternd auch, einander umfassen,
die beiden; wie einer den andern bedarf und feurig liebend an ihm hinauf reicht,
wie jener mit freundlichem Willen sich ihm neigt und diesem Flüstern der Liebe
Gehör gibt; und denke noch: die Mondessichel, die Sterne müssten nicht
untergehen, bis diese Seelen, ineinander gesättigt, ihre Schwingen ausbreiten
und höheren Welten zufliegen.
    Dies spräche heute mein Glück aus, o lieber Freund, es spräche es einmal in
vollem umfassenden Sinn aus.
    So wie das Aug die Schönheit erfasst, so auch der Geist; er umfasset den
Inbegriff der innern Schönheit wie der äußern, mit Schmeichelworten bringt er
beide in Einklang, und der Leib wirkt magisch auf den Geist, der so schmeichelt,
und so dieser auf ihn zurück, dass beide ineinander aufblühen, und das nennen wir
begeisternde Schönheit. Mein Freund, das ist das Flüstern der Liebe, wenn
Liebende einander sagen, dass sie schön sind.
                                     * * *
Wo ist denn der Ruhesitz der Seele? Wo fühlt sie sich beschwichtigt genug, um zu
atmen und sich zu besinnen? - Im engen Raum ist's, im Busen des Freundes; - in
Dir heimatlich sein, das führt zur Besinnung.
    Ach, wie wohl ist mir, wenn ich ganz wie ein Kind in Deiner Gegenwart
spielen darf; wenn alles, was ich beginne, von dem Gefühl Deiner Nähe geheiligt
ist; und dass ich mich ergehen kann in Deiner Natur, die keiner kennt, keiner
ahnt. - Wie schön ist's, dass ich allein mit Dir bin, dort, wo die Sterne sich
spiegeln in der klaren Tiefe Deiner Seele.
    Gönne es mir, dass ich so meine Welt in Dir eingerichtet habe; vernichte
nicht mit Deinem Willen, was Willkür nie erzeugen könnte.
    Ich küsse Deiner Füße Spuren und will mich nicht hereindrängen in Deine
Sinnenwelt, aber sei mit mir in meiner Gedankenwelt; lege freundlich die Hand
auf das Haupt, das sich beugt, weil es der Liebe geweiht ist. Der Wind rasselt
am Fenster; welche Länder hat er schon durchstreift? Wo kommt er her? Wie
schnell hat er die Strecke von Dir zu
