 Dir sein kann.
                                     * * *
                                                                         Im Juli
Diese Tage, diese Gegenden, sie tragen das Antlitz des Paradieses. Die Fülle
lacht mich an in der reifenden Frucht, das Leben jauchzt in mir, und einsam bin
ich wie der erste Mensch; und ich lerne wie dieser herrschen und gebieten dem
Glück: dass die Welt soll sein, wie ich will. Ich will es, dass Du mich selig
machest, nur weil ich Dich weiß und kenne, und weil Dein sittlich Gefühl der
Raum ist meiner geistigen Schöpfungen; in Dich hinein nur kann ich ja diese Welt
der Gefühle legen, Dir nur kann ich diese Phänomene einer erhöhten Rührung
erscheinen lassen. - Deine Schönheit ist Güte, die mich nährt, schützt, mir
lohnt, mich tröstet und mir den Himmel verheisst; kann ein Christ besser
organisiert sein als ich?
                                     * * *
Ich sitze nun einmal mitten in dieser reichen Natur, mit Herz und Seele; so muss
ich denn immer wieder von diesem Doppelgespann schreiben.
    Heute war ich in einem andern Tempel, der an der Höhe liegt und den
herrlichsten deutschen Fluss in seiner glorreichsten Pracht beherrscht, wo man
unzählige Orte und Städte sieht, die an seinen Ufern in seinen Gauen weiden. In
diesem sonnenhellen Himmel liegen sie da wie ruhende Herden.
    Was soll mir diese Pracht der Natur? Was soll mir dies wimmelnde Leben,
diese mannigfaltige Geschäftigkeit, die sich durch die bunten Fluren zieht? - Es
eilen die Schifflein hin und her aneinander vorüber, jedes hat seiner Reise
Ziel. - Wie jener Schiffe eines hast auch Du Dein Ziel; und es geht an mir
vorüber, rasch wie des Glücklichen Bahn schneller am Pfad des einsam Verlassnen
vorüber fährt. Und ich höre dann nicht mehr von Dir, dass Du nach mir fragst; und
Deinem Gedächtnis verhallen, wie meine Seufzer, so die Spuren der Erinnerung.
    So dacht ich, dort auf der Höhe im Tempel, wie ich niedersah in das
allseitig ausgebreitete Treiben der Menschen; wie ich mir überlegte, dass neue
Interessen Dich jeden Augenblick aufnehmen können und mich gänzlich aus Deiner
Welt bannen. Und ich hörte die Wellen brausen in der Tiefe, und Gevögel
umflatterte meinen Sitz, der Abendstern winkte, dass ich heimgehen möge. Um so
näher dräng ich mich jetzt an Dich: o öffne Deinen Busen und lasse mich ausruhen
von der tränenbewegten Ahnung, ich sei Dir nichts, ich sei Dir vergessen. O
nein, vergesse mich nicht, nimm mich, halt mich fest und lasse die Stille um uns
her den Segen sprechen über uns.
                                     * * *
Du hast mir's beim Abschied damals gesagt. Du hast mir's abgefordert, ich möge
Dir alles schreiben, und genau, was ich
