. Du bist inmitten
meines Innern, es ist nicht mehr eins, es ist zu zweien in mir geworden.
                                     * * *
Am Abend nach dem Gewitter, das vielleicht zu Dir gezogen ist Leg Dich,
brausendes Herz, wie der Wind sich legt, der die Wolken zerreißt; die Donner
sind verrollt, die Wolken haben ausgeregnet, ein Stern nach dem andern geht auf.
    Die Nacht ist ganz stille, ich bin ganz allein, die Ferne ist so weit, sie
ist ohne Ende; nur da, wo ein Liebender wohnt, da ist eine Heimat und keine
Ferne; wenn Du nun liebtest, so wüsst ich, wo die Ferne aufhört.
    Ja, leg dich Herz! Tobe nicht, halt ruhig aus. Schmiege dich, wie die Natur
sich schmiegt unter der Decke der Nacht.
    Was hast du Herz? Fühlst du nicht? Ahnest du nicht? - Wie sich's auch füge
und wende, die Nacht deckt dich und die Liebe.
    Die Nacht bringt Rosen ans Licht. Wenn sich die Finsternis dem Lichte
auftut, dann entfallen ihrem Schoss die Rosen.
    Es ist freilich Nacht in dir, Herz. Dunkle geheimnisvolle Nacht webt Rosen,
und ergießt sie alle, wenn's tagt, der Liebe zur Lust in den Schoss.
    Ja, Seufzen, Klagen, das ist deine Lust; Bitten, Schmeicheln, nimmt das kein
Ende, Herz?
    Am Abend schreib ich, wenn auch nur wenige Zeilen; es dauert doch bis spät
in die Nacht.
    Viel hab ich zu denken, manche Zauberformel spreche ich aus, eh ich den
Freund in meinen Kreis banne. Und hab ich Dich! - dann: - was soll ich da sagen?
- Was soll ich Dir Neues erfinden, was sollen die Gedanken Dir hier auf diesen
Blättern vortanzen? -
                                     * * *
                                                                        Am Rhein
Hier in den Weinbergen steht ein Tempel; erbaut nach dem Tempel der Diana zu
Ephesus.
    Gestern im Abendrot sah ich ihn in der Ferne liegen; er leuchtet so kühn, so
stolz unter den Gewitterwolken; die Blitze umzingelten ihn. So denke ich mir
Deine leuchtende Stirne, wie die Kuppel jenes Tempels, unter dessen Gebälk die
Vögel sich bargen, denen der Sturm das Gefieder aufblätterte; so stolz gelagert
und beherrschend die Umgebung.
    Heute morgen, obschon der Tempel eine Stunde Wegs von meiner Wohnung
entfernt ist, weil ich am Abend Dein Bild in ihm zu sehen wähnte, dacht ich
hierher zu gehen und Dir hier zu schreiben. Kaum dass der Tag sich ahnen ließ,
eilt ich durch betaute Wiesen hierher. - Und nun leg ich die Hand auf diesen
kleinen Altar, umkreist von neun Säulen, die mir Zeugen sind, dass ich Dir
schwöre.
