 durch eignen
freien Willen Dir gewidmet bin.
    Ich hab Dich nicht in diesem äußeren Leben; andere rühmen sich Deiner Treue,
Deines Vertrauens, Deiner Hingebung; ergehen sich mit Dir im Labyrinth Deiner
Brust; die Deines Besitzes gewiss sind, die Deiner Lust genügen.
    Ich bin nichts, ich habe nichts, dessen Du begehrst; kein Morgen weckt Dich,
um nach mir zu fragen; kein Abend leitet Dich heim zu mir; Du bist nicht bei mir
daheim.
    Aber Vertrauen und Hingebung hab ich in dieser Innenwelt zu Dir; alle
wunderbaren Wege meines Geistes führen zu Dir; ja sie sind durch Deine
Vermittlung gebahnt.
                                     * * *
 
                                         Am frühsten Morgen auf dem Johannisberg
Das Sonnenlicht stiehlt sich durch diese Büsche in meinen Schoss und spielt unter
dem Schatten der bewegten Blätter. Warum kam ich denn heute schon vor Tag hier
herauf? Hier, wo die Ferne sich vor mir auftürmt und ins Unendliche verliert.
    Ja, so geht es weiter und immer weiter; die Länder steigen hintereinander am
Horizont auf, und wir glauben auf Bergeshöhen am Himmelsrand zu steigen; da
breiten sich fruchtbeladne Tale vor uns aus, von dunklen Hügelwänden
umschlossen, und die Lämmer weiden hier wie dort. Und wie die Berge
hintereinander aufsteigen, so die Tage, und keiner ist der letzte vor dem, der
eine Ewigkeit entfaltet.
    Wo ist der Tag, die Stunde, die mich aufnimmt, wie ich dich, spielender
Sonnenschein? - Wiedersehen, nimm mich auf! - Du! auf meines Lebens Höhen
gelagert, von himmelreinen Lüften umwebt, nimm mich auf in Deinen Schoss; lass den
Strahl der Liebe, der aus meinem Aug hervorbricht, in Deinem Busen spielen, wie
dieser Morgensonnenstrahl in meinem Aug.
                                     * * *
Gestern hab ich mich gesehnt; ich dachte jeden Augenblick, er sei mir verloren,
weil ich Dich nicht hatte.
    Dich haben einen Augenblick, wie selig könnte mich das machen.
    Wie reich bist Du, da Du so beseligen kannst, Ewigkeiten hindurch mit jedem
Augenblick!
    Gestern war es früher Morgen, da ich Dir schrieb; ich hatte Buch und
Schreibzeug mit und ging noch vor Tag dem Tal entlang, das von beiden Seiten eng
in Bergwände eingelagert ist; da rieseln die Bäche nieder ins sanfte Gras und
lallen wie Wiegenkindchen. Was sollt ich machen? Es war mir im Herzen, auf der
Lippe und im tränenschwellenden Auge; ich musste Dir's klagen, ich musste Dir's
wehmütig vorhalten, dass ich Dich nicht habe, und da war die Sonne so freundlich;
da rauschte es, da bewegte sich's hinter mir; - war es ein Wild? War's ein
Anklang aus der Ferne? Ich stieg rasch aufwärts, ich wollte Dich
