 angezündet haben bei ihrem Linnen, das auf
der Bleiche liegt, und hab ihren Liedern zugehört, die sie singen, um wach zu
bleiben; - ich wache auch und denke an Dich, es ist ein groß Geheimnis der
Liebe, dies immerwährende Umfassen Deiner Seele mit meinem Geist, und es mag
wohl manches daraus entstehen, was keiner ahnt.
    Ja, Du schläfst! Träumst Du? Und ist es Dir wahr, was Du träumst? - Wie mir,
wo ich zu Deinen Füßen sitze und sie im Schoss halte, und der Traum mir selbst
die Zügel hält, dass ich nichts denke als nur dies, dass ich in Deiner Nähe bin?
                                     * * *
Liebster! Gestern war ich tief bewegt und war sehnsüchtig; weil man viel über
Dich gesprochen hat, was nicht wahr ist, da ich Dich besser kenne. Durch das
Gewebe Deiner Tage zieht sich ein Faden, der sie mit dem Überirdischen
verbindet. Nicht durch jedes Dasein schlingt sich ein solcher Faden, und jedes
Dasein zerfällt ohne diesen.
    Dass Dein Dasein nicht zerfalle, sondern dass alles ewige Wirklichkeit sei,
das ist, wonach ich verlange; Du, der Du schön bist, und dessen Gebärden
gleichfalls schön sind, weil sie Geist ausdrücken: Schönheit begreifen, heißt
das nicht Dich lieben? - Und hat die Liebe nicht die Sehnsucht, dass Du ewig sein
mögest? - Was kann ich vor Dir, als nur Dein geistig Bild in mich aufnehmen! -
Ja sieh, das ist mein Tagwerk, und was ich anders noch beginne - es muss alles
vor Dir weichen. Dir im Verborgnen dienen in meinem Denken, in meinem Treiben,
Dir leben, mitten im Gewühl der Menschen oder in der Einsamkeit Dir gleich nahe
stehen; eine heilige Richtung zu Dir haben, ungestört, ob Du mich aufnimmst oder
verleugnest.
    Die ganze Natur ist nur Symbol des Geistes; sie ist heilig, weil sie ihn
ausspricht; der Mensch lernt durch sie den eignen Geist kennen, dass der auch der
Liebe bedarf; dass er sich ansaugen will an den Geist, wie seine Lippe an den
Mund des Geliebten. Wenn ich Dich auch hätte, und ich hätte Deinen Geist nicht,
dass der mich empfände, gewiss das würde mich nie zu dem ersehnten Ziel meines
Verlangens bringen. Wie weit geht Liebe? Sie entfaltet ihre Fahnen, sie erobert
ihre Reiche. Im Freudejauchzen, im Siegestoben eilt sie ihrem ewigen Erzeuger
zu. - So weit geht Liebe, dass sie eingeht, von wo sie ausgegangen ist. Und wo
zwei ineinander übergehen, da hebt sich die Grenze des Endlichen zwischen ihnen
auf. Aber soll ich klagen, wenn Du nicht wieder liebst? - Ist dies Feuer nicht
in mir und
